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Wir basteln uns einen Belichtungsmesser aus Papier bzw. Karton

ThomasKategorie: Selber Bauen 11 Kommentare

Hier gibt es einen äußerst einfachen Belichtungszeitenrechner für Papier bzw. Karton zum download und ausdrucken. Man erhält damit auf einfachste Art die einigermaßen richtige Kombination Blende / Belichtungszeit an simplen Kameras ohne Elektronik.

Inhaltsverzeichnis

Wer oft mit alten, völlig manuellen Kameras unterwegs ist, wird sicherlich stets einen externen Belichtungsmesser in der Tasche haben. Wer aber mit Kameras arbeitet, die gar nicht für das perfekte Bild ausgelegt sind – die Lomographie lässt grüßen – für den muss es nicht unbedingt ein teurer Handbelichtungsmesser zur Lichtmessung sein – eine einfache Rechenscheibe oder eben ein Belichtungsrechner aus Karton bzw. eine Belichtungstabelle reicht da allemal, zumindest wenn Draußen, im Freien fotografiert wird.

ein Belichtungsmesser aus Karton
ein einfacher Belichtungszeitenschieber zum Download und Ausdrucken auf Papier für die Hosentasche

Es gab früher auch die so genannte „Agfa-Scheibe“ und vor allem verschiedenen Lichtverhältnissen zugeordnete Werte in Tabellen. Diese Methoden funktionieren, zumindest, wenn man nicht gerade bei Kunstlicht fotografiert, erstaunlich gut – sofern man mit Film arbeitet, der auch etwas Überbelichtung / Unterbelichtung verzeiht. Ab und an gibt es diese Rechenscheibe bei Ebay. Das Beste: fürs Erste man kann sich so einen Belichtungsmesser auch ganz einfach selbst bauen (wenn auch in einfacher Form).

kurz etwas Theorie zur Lichtmessung und zum Prinzip des Belichtungs-Rechners

Belichtungsmesser zum selber machen

Die meisten Kameras handhaben es völlig automatisch, intern und ohne dass man es vielleicht sogar bemerkt: das richtige Belichten des Filmes oder eben des Sensors. Eine Elektronik misst hierbei die Intensität des Lichtes und stellt von diesem Wert ausgehend eine richtige Kombination Blende / Verschlusszeit ein.
Möchte man aber mit z.B. einer 60 Jahre alten Adox Golf oder Agfa Isolette-Balgenkamera fotografieren oder aber mit einer Holga oder einer Diana, dann steht man schön dumm da: hier gibt es keine Elektronik – man fotografiert ohne Batterie völlig manuell und muss die entsprechenden Parameter selbst einstellen.

* Es sei zu erwähnen, dass die Holga keine Einstellmöglichkeiten zur richtigen Belichtung und die Diana lediglich 3 Blendenwerte hat, die Verschlusszeit aber auch hier nicht verändert werden kann.

Blende 8 und Sunny 16-Regel

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Absolut Analog ist ein modernes Fachbuch, welches den Leser an die Hand nimmt und ihn durch den kompletten "Workflow" der analogen Fotografie begleitet: Von der korrekten Aufnahme über die Negativentwicklung bis hin zum individuellen Scan und Ausdruck. Das Thema Positivlabor wird hier jedoch nur angerissen. Dafür wird der digitalen Weiterverarbeitung ("hybrid") mehr Raum gewidmet. Auf Amazon kann man auch in dieses Buch einen Blick werfen.

Der Satz Sonne lacht, nimm Blende 8, den man manchmal zu hören bekommt, ist natürlich unbrauchbar. Hier fehlen ja zwei Parameter: bei welcher Filmempfindlichkeit gilt diese „Blende 8“ und bei welcher Belichtungszeit?

Weitaus besser lässt es sich aber mit der „Sonne 16 Regel“ arbeiten: Hier geht man davon aus, dass bei schönstem Sonnenschein und bei Blende 16 die richtige Verschlusszeit jene ist, die dem Kehrwert der Filmempfindlichkeit entspricht. Bei einem 400 ASA Film wäre hier bei Blende 16 also die Belichtungszeit von 1/400 richtig. Dies kann man dann runterrechnen: bei Blende 8 wäre dann die Verschlusszeit 1/800 relevant usw. Da aber keine manuelle Kamera die 1/400 belichten kann, nimmt man einfach den nächsten Wert: 1/500 usw.

Mit der Sunny16-Regel lässt sich also durchaus (bei genügend Licht) auf die Schnelle schon recht gut fotografieren: Man stellt am Verschluss also genau die Zeit ein, die [ungefähr“] dem Kehrwert der Filmempfindlichkeit entspricht: also bei 400 ASA – 1/500 Sekunde und bei Sonnenschein Blende 16; bei leichten Wolken dann Blende 11 und bei Wolken  blende 8. Fertig. Damit würde man draußen schon recht weit kommen. Man kann ja auch, möchte man bei etwas geöffneter Blende arbeiten, die Zeit entsprechend umrechnen.
Mehr zu Belichtungszeit und Blende aber in meinem kleinen Artikel richtig belichten.

Der Belichtungsschieber basiert auf dieser „Sunny 16 Regel“, berücksichtigt aber eben noch andere Lichtverhältnisse als voller Sonnenschein zum direkten Ablesen und einstellen.

Bauanleitung

Die PDF-Datei wird einfach ausgedruckt – und zwar am besten auf etwas stärkerem Karton. Alternativ kann man ein normal starkes Blatt nach dem Ausdrucken auf stärkeres Material kleben.

Der Messschieber besteht aus zwei Teilen A und B, welche ausgeschnitten werden. Teil B wird gefalzt und an der einen Stelle zusammen geklebt, so dass eine Art „Hülle“ für Teil A entsteht. Teil A wird nun einfach eingeschoben.
Ich habe meinen Belichtungszeitenschieber stets im Portmonee. Damit der Messschieber nicht so schnell abnutzt, kann er auch mit breitem, transparenten Klebeband ummantelt werden.

Bedienungsanleitung

Die Bedienung für meinen Belichtungsmesser zum Ausdrucken ist recht einfach:

  1. Man sucht sich genau den blauen Pfeil, welcher der ISO-Empfindlichkeit (ASA) des eingelegten Filmes entspricht. Alle anderen blauen Pfeile werden ignoriert.
  2. Man schiebt diesen Pfeil auf das entsprechende Lichtverhältnis. Dieses Lichtverhältnis (bedeckt, sonnig usw.) muss natürlich geschätzt- bzw. auch umgedacht werden:
    „Sehr wolkig; Motiv kontrastlos“ könnte also auch „Freundin sitzt in recht hellem Zimmer auf Couch“ heißen.
  3. Nun hat man eine Reihe von gültigen Blende- / Verschlusszeitkombinationen. Alle sind richtig. Der orange Pfeil zeigt von einer Belichtungszeit auf die jeweils dann richige Blende.
  4. Das gewünschte Wertpaar Blende und Belichtungszeit muss nun einfach auf die Kamera übertragen werden. Die Einstellungen am Fotoapparat müssen natürlich eine möglichst breite Auswahl an Blendenwerten und Belichtungszeiten unterstützen.

Es ist darauf zu achten, dass aus Platzgründen die Belichtungszeiten ohne dem „1/“ angegeben sind. Eine 60stel Sekunde (1/60) wird beispielsweise nur als „60“ angegeben usw.

Beispiel zum Ermitteln der richtigen Blende und Verschlusszeit

Bei diesem Beispielbild wird davon ausgegangen, dass ein 400 ASA Film verwendet wird und der Himmel bedeckt ist, es kein Sonnenschein und keine Schatten gibt. Beide „Werte“ werden nun gegenüber geschoben.
Belichtungstabelle zum download
Als Ergebnis erhalten wir gültige Werte, welche wir an unsere Kamera übertragen:

Möchten wir zum Beispiel viel Schärfentiefe, so stellen wir Blende 22 ein und belichten folglich mit der 1/30 Sekunde.

Ob die Kamera nun die 1/1000 Sekunde beherrscht, ist natürlich eine andere Sache – die bereits erwähnten „Balgenkameras“ aus den 50ern schaffen es nicht – hier müsste dann, dem Beispiel gemäß, die 1/125 bei Blende 11 verwendet werden. Sämtliche Kameras der Gattung Lomographie sind ebenso äußerst eingeschränkt, was die Belichtungssteuerung anbelangt. Ein Belichtungsmesser macht da eben auch nur Sinn, wenn man manuell die bzw. möglichst viele Parameter der Kamera verstellen kann.
Ich finde, so ein einfacher Belichtungsrechner eignet sich auch sehr gut dafür, das Verhältnis zwischen Blende/Verschlusszeit zu verstehen und überhaupt dafür, ein Gefühl für Licht zum Fotografieren zu erlangen. Natürlich ist ein elektrisch arbeitender Handbelichtungsmesser stets vorzuziehen. Aber auch mit so einem einfachen Rechner kommt man schon sehr weit. Im Zweifel sollte man immer etwas reichlicher belichten (also entweder eine kleinere Blende [kleinerer Wert“] oder eine längere Belichtungszeit [ebenfalls kleinerer Wert“] wählen). Der Belichtungsschieber ist natürlich auch für Digitalkameras geeignet – sofern diese manuelle Einstellungen zulassen.
Man kann ihn stets im Portmonee dabei haben.

Download

Der Belichtungsmesser zum Ausdrucken kann sich als PDF-Datei heruntergeladen werden:

Laden Sie sich hier den Belichtungsmesser als PDF-Datei zum Ausdrucken herunter!

Zum Ansehen benötigen Sie das kostenlose Programm „Acrobat Reader“. Nutzen Sie tatsächlich nur ein „echtes“ PDF-Programm – der „Firefox-Browser“ z. B. stellt die Datei falsch dar. Zum Abspeichern am besten die rechte Maustaste benutzen und dann „Speichern unter…“.

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Seit einiger Zeit gibt es recht günstige kleine Belichtungsmesser zum Aufstecken in den Blitzschuh / Zubehörschuh einer (analogen) Kamera. Auf dem Display wird die gemessene Zeit / Blende angezeigt und beide Werte müssen händisch an der Kamera eingestellt werden.

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In diesem Zusammenhang:

ein Entfernungsmesser aus Papier

Es gibt auch die Möglichkeit, sich einen Entfernungsmesser auszudrucken. Das ist kein Scherz, dies funktioniert tatsächlich – wenn natürlich nicht sehr genau. Wenn Ihr Interesse geweckt wurde, besuchen Sie auch den Artikel → Entfernungsmesser aus Papier. Mit etwas Druckerpapier kann man also zur Not durchaus zwei wichtige elektronische Komponenten einer Kamera ersetzen.

veröffentlicht: 13.06.11 | letzte Änderung: 24.01.24

Verschlagwortung dieses Artikels:
Clipart einer PersonHallo, hier schreibt Thomas über allerlei fotografische Themen. Für die neueste Technik habe ich jedoch wenig übrig – Mein Interesse gilt eher dem selber Machen, den kleinen Tipps und Tricks, auch der analogen Fotografie und dem Fotografieren mit Kunstlicht.

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11 Kommentare

Wir basteln uns einen Belichtungsmesser aus Papier bzw. Karton

  1. Holger Zuhmann sagt:

    Hallo zusammen,

    Ich werde mir auch gleich diesen Belichtungsmesser ausdrucken. Habe mir ne russische FED 5 zugelegt. Auf den Filmverpackungen sind/waren auch solche einfachen Belichtungstabellen drauf. Diese einfachen Tabellen reichen völlig aus und schulen den Zusammenhang von ASA/DIN-Blende-Verschlusszeit.

    Gruss Holger

  2. Robert sagt:

    Wollte einfach mal DANKE sagen. Der Ausdruck-Beli ist toll. Selbst brauche ich ihn nicht. Dafür habe ich ihn einer TLR beigelegt, welche ich meiner Freundin zu Weihnachten geschenkt habe. Trotz null Vorkenntisse kommt sie super klar damit.
    Viele Grüße aus dem Bergischen Lande
    Robert

  3. Harald sagt:

    „Da aber keine manuelle Kamera die 1/400 belichten kann.“

    Nur eine kleine unbedeutende Richtigstellung:
    Es gab in den Anfang 50ern schon einen Compur Rapid Verschluß zB an der Futura mit 1/400 als kürzeste Belichtungszeit

  4. Jürgen sagt:

    Hallo bin gerade über deine Seite gestolpert und hab mir den Belichtungsmesser gerade mal nachgebaut.
    Funktioniert wirklich erstaunlich exakt 🙂

    Vielen Dank dafür!

  5. Lotta sagt:

    Hallo,

    eine Frage: Meine Kamera (Agfa Silette Pronto)hat nur die Blendeneinstellungen 2.8, 4, 5.6, 8, 11, 16 und die Verschlusszeiten 200, 100, 50, 25.
    Kann ich diesen Belichtungsmesser dennoch so übernehmen oder muss ich die Werte noch ‚umwandeln‘?

    Danke schonmal.

    • Thomas sagt:

      Hi Lotta, das ist kein Problem. Du hast an der Kamera noch die alte „deutsche Zeitenskala“. Du nimmst also statt der 1/25 (an deiner Kamera) die 1/30 (am Belichtungs-Schieber). Entsprechend verhält es sich mit den anderen Zeiten: 50-> 60 / 100-> 125 / 200-> 250. Die Unterschiede sind so gering, das macht keinen Unterschied aus.
      Es ist ja sowieso davon auszugehen, dass z.B. die Belichtungszeit 1/125 Sekunde an so einer alten Kamera eingestellt auch nicht wirklich genau 1/125 Sekunde entspricht. Das kann schon etwas länger sein (vielleicht sogar 1/100).
      PS: deine Verschlusszeiten (25 50 100 200) bitte am Papier-Belichtungsmesser nicht mit den ASA-Zeiten (25-800) verwechseln.

  6. Hans- Theo Müller 47799 Krefeld sagt:

    Hallo zusammen

    Ich habe ein Film mit meinen Handy gemacht war aber zu Dunkel.

    Gibt es irgend ein Programm dafür.

    M.F.G

    H_T Müller

  7. Mat sagt:

    hey,
    könntest du noch ein bisschen mehr die abstufungen beim licht/wetter erläutern? für mich gibt es sonniges, wolkiges (also keine sonne) und regen-wetter, wenn ich aus dem fenster schaue. auch die nachteinstellungen sind mir ein bisschen schleierhaft.
    muss ich mich einfach an die schattenkonturen halten?
    MfG und super seite!
    -Mat

    • Thomas sagt:

      Hi Mat. Ich habe das sonnige Wetter in drei Stufen unterteilt. Die höchste ist, wenn weder Dunst noch Wolken vorhanden sind. Man kann die obersten Stufen gut an der Art der Schatten abschätzen.
      Aber bitte bedenke, dass dies auch nur ein SchätzOmeter ist! Präzise lässt sich so natürlich nicht arbeiten. Gerade die Nacht- und Kunstlichtsituationen sind oftmals schwierig einzuschätzen.
      Ich verwende den Belichtungsschieber an einer alten Adox Golf-Klappkamera mit Balgen und auch nur drei Zeiten. Dafür reicht so ein kleiner Pappe-Belichtungsmesser allemal.
      Es gibt aber auch noch richtig detaillierte Rechenscheiben (von Agfa z.B. seinerzeit). Oftmals per Ebay noch zu bekommen. Dort konnte man sogar die Zeiten der aktuellen Jahreszeit anpassen.

  8. Lomograph sagt:

    Was muss ichdenn an der diana f+ kamera einstellen? Da sind keine zahlen. Manchmal sind die bilder eben zu dunkel.

    Gruß, Zottel

    • Thomas sagt:

      Hallo. Bei der Diana macht der Belichtungs-Schieber ebenfalls Sinn, wenn auch etwas eingeschränkt: Bei der Diana (f) Kamera hat man nur die Möglichkeit, das Licht anhand von lediglich 3 Blendenstufen bei nur einer einzigen Belichtungszeit (plus Langzeitbelichtung) zu steuern.
      Die Belichtungszeit beträgt hierbei ca. 1/60 Sekunde, die Blenden sind ungefähr: 11 (Wolke), 16 (Wolke+Sonne) und 22 (Sonne) – sieha auch: Belichtungszeit Diana. Was du nun machen musst ist, nachdem du den ISO Wert (blauer Pfeil) auf das entsprechende Lichtverhältnis geschoben hast, die richtige Blende nur bei der Verschlusszeit -> 60 (1/60) abzulesen.
      Im Beispiel (bei einem 400 ASA Film und bei bedecktem Himmel) wäre also die richtige Blende 16. Eine andere Möglichkeit hat man nicht, da man bei solch einfachen Kameras wie bei der Diana den Faktor Belichtungszeit nicht verändern kann.
      Sollte aber der 1/60 eine Blende von z.B. 8 gegenüber stehen (hat die Diana nicht mehr), so muss man einen Blitz oder einen höher empfindlichen Film benutzen. Es wäre zu dunkel.
      Die Symbole (Sonne, Wolke …) am Objektiv beziehen sich übrigens immer nur auf einen Film mit ca. 100 ISO. Dann kann man natürlich auch direkt mit den Symbolen fotografieren. Bei einem 400 ISO Film muss man eben umrechnen.

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