Photoshop unter Linux wie ein ganz normales Programm nutzen (mit Bottles)
Es ist mittlerweile tatsächlich ziemlich gut möglich, Adobe Photoshop stabil unter Linux so zu nutzen, als wäre es ein ganz normales Linux-Programm. Ich nutze hierzu die Umgebung „Bottles“. Hier beschreibe ich, wie dies mit zumindest der alten Photoshop-CS6-Version funktioniert.

Das schaut schick aus. Wer braucht da noch Windows? Photoshop startet nun unter Linux wie eine gewöhnliche Anwendung.
Der Hauptgrund, warum ich erst jetzt von Windows auf Linux umgestiegen bin, war Photoshop von Adobe. Ich möchte auf dieses Bildbearbeitungsprogramm nicht verzichten. Ich nutze allerdings noch die alte CS6-Version (noch ohne Cloud-Anbindung). Für meine Zwecke ist sie deutlich besser als Gimp zu gebrauchen.
Nach einigen Stunden Testen und Ausprobieren habe ich einen recht soliden und einfach zu bewerkstelligen Weg gefunden, mein geliebtes CS6 auch auf Linux zum Laufen zu bekommen – ohne irgendeine sichtbare Container-Anwendung wohlgemerkt.
Wir haben sogar die entsprechenden Startmenü-Einträge:

Ich hatte jedoch nur Photoshop bzw. Bridge aus der CS6-Suite installiert. Die anderen Anwendungen (Indesign, Illustrator, Premiere, …) habe ich nicht getestet. Dafür gibt es ja gute native Linux-Alternativen (zumindest für Premiere). Sicherlich laufen auf diese Weise (via „Bottles“) auch modernere Photoshop-CC-Versionen. Das weiß ich jedoch nicht genau. Dann müsste man sicherlich einige Abhängigkeiten (s. u.) zusätzlich installieren.

Insbesondere das Arbeiten mit Einstellungsebenen-Masken ist der Grund, wofür Ich Photoshop benötige.
Photoshop verhält sich nun unter Linux (ich nutze Ubuntu mit der KDE-Desktopumgebung = Kubuntu) wie ein gewöhnliches Programm. Es gibt nur wenige Macken. Eine sieht man auf diesem Bildschirmfoto: Die Scroll-Leiste ist weiß bzw. nicht dunkel eingefärbt.
Man kann Bilddateien übrigens direkt aus dem Dateimanager in Photoshop ziehen und diese werden dann dort geöffnet. Allerdings müsste man diese „Brücke“ erst einmal via Flatseal (s. u.) freigeben.
Voraussetzungen
Ich nutze die Anwendung Bottles. Offenbar handelt es sich hierbei um eine grafische Oberfläche für ›Wine‹ (der bekannten Laufzeitumgebung für Windows). Alle nötigen Komponenten werden bei Bottles mitgeliefert (es läuft inkl. aller Abhängigkeiten als sogenannter „Flatpak-Container“). Was da genau alles unter der Haube statt findet, kann ich leider nicht sagen. Ich bin ja erst kürzlich auf Linux umgestiegen.
Außerdem nutze ich die Anwendung Flatseal: Damit lassen sich (isolierte) Flatpak-Installationen (in diesem Fall Bottles) gezielt de-isolieren: Man sollte hier dann beispielsweise das eigene Home-Verzeichnis unter Linux freigeben oder nur den Bilderordner darin. Sonst kann Photoshop später nicht darauf zugreifen.
Was ist Bottles?
Eine „Bottle“ (Flasche) ist ein Mini-Windows, das im Hintergrund läuft. Man richtet also erst einmal eine solche Bottle ein – inklusive gewisser Abhängigkeiten. Welche genau für Photoshop CS6 nötig wären, zeige ich gleich. Als nächstes startet man über einen Button in Bottles z. B. eine Exe-Datei:
Ich staunte nicht schlecht, als dann bei mir auf dem Linux-Desktop plötzlich das Installationsfenster von Adobe CS6 erschien.
Man kann dann auch direkt in das C-Laufwerk navigieren, z. B.:
/home/USERNAME/.var/app/com.usebottles.bottles/data/bottles/bottles/Windows-1/drive_c/
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Läuft Photoshop unter Linux rund?
In der Tat. Ich hatte Verzögerungen erwartet und Abstürze bei großen Bilddateien (viele Ebenen). Solche Dinge kommen bei der Lösung via Bottles bei mir nicht vor. Alles läuft flüssig!
Es gibt aber ein auffallendes Problem bei mir: Freischwebende Werkzeugfenster. Zieht man ein Fenster aus dem angedockten Bereich heraus, friert Photoshop ein. Die Fenster selber innerhalb des angedockten Bereiches kann man aber verschieben / neu anordnen. Wer noch alte Photoshop-Arbeitsbereiche-Dateien aus einer Windows-Installation besitzt, kann diese in den entsprechenden Ordner im Laufwerk C der Bottle kopieren. Auf diese Weise kann ich auch frei schwebene Fenster außerhalb des eigentlichen Photoshop-Fensters nutzen (für meine Zwei-Monitore-Ansicht). Ich darf sie aber nicht mehr anrühren.
Außerdem startet Photoshop CS6 manchmal (nicht immer) quälend lang. Dieses Problem hatte ich bereits unter Windows. Unter Bottles / Flatseal weiß ich nicht, wie ich es lösen könnte. Vielleicht hat jemand einen Tipp und mag ihn mir via Kommentar verraten?
Bei Bridge funktioniert das Modul zum Erstellen von PDF-Kontaktabzügen nicht bzw. es wird nicht korrekt angezeigt. Aber ›XnView MP‹ ist eh eine sehr gute, native Alternative für Bridge unter Linux.
In den Einstellungen von Photoshop hatte ich noch solche Dinge wie „Schatten unter Beschriftungen“ ausgestellt. Diese werden bei mir nicht korrekt dargestellt. Die Photoshop-Leistungseinstellungen wären aber ein anderes Dorf bzw. hier kann man ja bequem herum experimentieren.
Ich installierte für mein CS6-Photoshop noch manuell das zuletzt hierfür erhältliche Camera RAW 9.1. Weitere Software kann man natürlich zusätzlich innerhalb der Bottle installieren. Oder man erstellt eine weitere, um Programme voneinander zu trennen.
Einstellungen in Bottles
Bottles (wie auch Flatseal) hat leider äußerst viele Konfigurationsmöglichkeiten. Ich möchte diejenigen zeigen, mit denen es bei mir funktioniert. Insbesondere die mit zu installierenden Abhängigkeiten beim Erstellen einer „Bottle“ sind wichtig.
Sie können auch meine Konfigurationsdatei für das Anlegen einer „leeren“ Bottle testen:
Photoshop-CS6 Bottles Konfigurationsdatei
Damit sollten alle nötigen Abhängigkeiten geladen- bzw. es sollten alle Einstellungen gesetzt werden, die ich auch nutze. Es gibt in der Datei allerdings einige Pfade (auf mein Home-Verzeichnis), die man anpassen müsste. Ich selber habe das Einspielen einer solchen Konfigurationsdatei noch nicht getestet.
Abhängigkeiten
Folgend Abhängigkeiten installierte ich für den Betrieb von Adobe CS6 (Photoshop & Bridge):
- allfonts (ersetzt wohl die einzelnen unten aufgeführten Schriftarten)
- arial32
- times32
- courie32
- mono
- gecko
- gdiplus
- atmlib
- riched20
- msxml3
- msxml6
- vcredist2008
- vcredist2010
Genutzter Runner
Der Runner ist wohl der Motor bei dieser Geschichte? Bei mir funktioniert am besten Built-in Wine-11.0. Bei anderen hatte ich Probleme mit der Schriftdarstellung der Menüpunkte oder mit Verzögerungen.
Windows-Version
Das alte Photoshop CS6 kommt sicherlich mit einem Windows 7 am besten zurecht.
Hier zeige ich noch einen Screenshot meiner Haupteinstellungen:

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Einstellungen in Flatseal
›Flatseal‹ ist ja das zweite Programm, welches man idealerweise nutzt – insbesondere um Ordner im Linux-Home-Verzeichnis oder eine separate Festplatte für Photoshop erreichbar zu machen. Zwar gibt es so eine Einstellung auch unter Bottles (Laufwerke verwalten). Der Zugriff erfolgt bei mir dann aber sehr zäh. Mittels Flatseal geht es deutlich schneller. Hier also mein Bildschirmfoto für die Flatseal-Bottles-Einstellungen:

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Bilder per Rechtsklick in Photoshop öffnen
Das Hinein-Ziehen von Grafiken in Photoshop funktionierte erfreulicherweise bei mir sofort. Aber das Öffnen via Rechtsklick aus dem Dateimanager (bei mir ›Dolphin‹) geht nicht. Offenbar gibt es Probleme mit der übergebenen Bildadresse bzw. mit der Isolation von Flatpak-Bottles. Abhilfe schafft ein (versteckter) Startmenü-Eintrag, der nicht auf Photoshop zeigt, sondern auf ein Skript photoshop-open.sh, welches den Öffnen-Befehl leicht ummünzt:
#!/bin/bash
args=()
for file in "$@"; do
wine_path="Z:${file//\//\\}"
args+=("$wine_path")
done
flatpak run --command=bottles-cli com.usebottles.bottles run \
-p Photoshop -b Windows-1 -- "${args[@]}"
Dieses Skript muss noch ausführbar gemacht werden (einfach via Rechtsklick im Dateimanager).
Den eben erwähnten versteckten Programmeintrag legt man hier an: ~/.local/share/applications/photoshop-open.desktop
Der Inhalt:
[Desktop Entry] Type=Application Name=Photoshop Comment=Open with Photoshop CS6 Exec=/home/chefkoch/System/photoshop-open.sh %U Icon=/home/chefkoch/.local/share/xdg-desktop-portal/icons/256x256/com.usebottles.bottles.App_5253378b47a4e54adb4a8737280b09c23d3cd99f.png Terminal=false NoDisplay=true Categories=Graphics; MimeType=image/jpeg;image/png;image/tiff;image/vnd.adobe.photoshop;
Die Pfade sollten natürlich angepasst werden. Wie man sieht, ist dieses „Programm“ einfach nur eine Verknüpfung zu unserem Skript mit Photoshop-Icon.
Jetzt muss nur noch via Terminal der Desktop-Cache aktualisiert werden: update-desktop-database ~/.local/share/applications
Die Idee stammt nicht von mir (KI ist zumindest bei solchen Angelegenheiten eine große Hilfe). Wie gesagt: Das funktioniert bei mir unter Kubuntu (Ubuntu mit KDE-Plasma-Umgebung).
Kurzum
Ich hätte schon viel früher zu Linux wechseln sollen. Ich wusste bis vor einiger Zeit nicht, dass man Photoshop (bzw. die alte CS6-Adobe-Suite) so elegant zum Laufen bringen kann. Natürlich: Hin und wieder hakt es. Aber generell kann ich damit sehr gut arbeiten – Ohne Ruckler, ohne Verzögerungen und eben auch ohne eine sichtbare Container-Anwendung. Photoshop verhält sich endlich unter Linux (fast) so, als würde man es unter Windows nutzen.