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Einen 35mm Kleinbildfilm in der Mittelformatkamera benutzen

ThomasKategorie: Kameras und Objektive 5 Kommentare

Auf diese Idee gekommen bin ich, als ich Fotos gesehen hatte, für die in die Holga oder Diana Kamera statt den (hierfür eigentlich vorgesehenen) Rollfilm einfach normaler 35 mm Film eingelegt wurde. So etwas musste ich natürlich auch ausprobieren – doch so richtig vom Hocker reißen möchte mich dies nun auch wieder nicht. Ausgeführt hatte ich hierzu meine Lomo Lubitel.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines zum Kleinbild in der MF-Kamera

Kleinbildfilm in Mittelformatkamera
Statt 120er Film wird hier ganz normaler Kleinbildfilm eingelegt (Lomo Lubitel)

Wozu sollte man eigentlich bei einer Kamera, welche für das größere Mittelformat vorgesehen ist, das winzige Kleinbild benutzen? Geht man hier nicht wieder einen Schritt zurück und verschenkt wertvolles Format? Vom Prinzip her macht es wirklich keinen Sinn: Alles, was hier abgebildet wird, würde sich natürlich auch auf einem Rollfilm wiederfinden. Dass man durch die Verwendung vom schmalen Kleinbild in einer solchen Kamera eine Art leichtes Panorama erhält, stimmt zwar (gerade bei 6×9 Kameras). Ein Panoramafoto, bei welchem aber lediglich oben und unten etwas „abgeschnitten“ wurde, ist ein solches doch wirklich nicht. Für so etwas sollte man sich besser eine Panoramakamera wie die Horizon oder die neue Lomo Spinner besorgen.

Zumal solche Kameras ein entsprechendes Weitwinkel besitzen, wo das (normale) Objektiv der Mittelformatkamera für einen Kleinbildfilm sogar schon ein leichtes Tele darstellt (eben ~80mm). Zu erwähnen ist auch, dass dieser schmale 35er Film in der ja hier viel zu breiten Filmführung nicht plan aufliegen kann bzw. plan aufgedrückt werden kann. Richtige Schärfe sollte man also nicht erwarten.
Möchte man aber bewusst mit einem solchen Teleobjektiv (nichts weiter ist ja die „Normalbrennweite“ einer Mittelformatkamera für einen Kleinbildfilm) fotografieren und dabei ein weitaus breiteres (oder höheres) Format nutzen, welches keine Kleinbildkamera bietet, sieht die Sache natürlich schon wieder etwas anders aus – besonders natürlich unter dem Motto „Lomographie“.

Denn nicht zu verschweigen ist natürlich, dass auf einen solchen 135er Film weitaus mehr Bilder passen als die maximal 12 eines Rollfilmes (die langen 220er Filme einmal ausgenommen). Außerdem wird man Rollfilme mehr und mehr nur noch über das Internet beziehen können – Kleinbild gibt es daher relativ günstig in jedem Rossmann oder DM um die Ecke (z.B. natürlich).

Das sicherlich überzeugendste Argument wird dabei aber ein ganz anderes sein: Das Belichten der Ränder bzw. der Perforation (die Löcher) des Filmes:

 

Panorama Format mit 35 mm Film

Per Klick lässt sich dieses Bild noch vergrößern.
Aber mit diesen Löchern auf dem Foto verhält es sich sicherlich bald wie mit jenen Schuhen Anfang der 90er, die beim Auftreten zu blinken begonnen hatten: es ist eine Modeerscheinung, die kaum wirklich Sinn macht. Möchte man es aber selbst einmal ausprobieren – und sei es lediglich im Sinne der „Lomographie“ – so ist ein Kleinbildfilm zwar schnell gekauft. Der muss aber erst einmal halbwegs richtig in die Kamera eingelegt werden.

Den 135er Kleinbildfilm in die Mittelformatkamera einlegen

Bei Kameras mit Wechselmagazinen wird dies sicherlich kaum funktionieren – bei den vielen einfachen Mittelformat-Sucherkameras wie z.B. die Adox Golf, die Agfa Click oder die Holga & Diana umso besser: Die Filmpatrone wird einfach dort eingelegt, wo normalerweise der Rollfilm hingehört, dafür aber oben und unten mit etwas weichem Material (Küchenschwamm) fixiert.

Wichtig hierbei ist, dass das eine Ende der herausragenden Spule nicht blockiert wird, da dieses sich ja mitdrehen muss. Besser ist es also, man fixiert die Patrone so, dass sie durch die Rückwand der Kamera festgedrückt wird, also nur mit einem Polster oben. Der Anfang des Filmes wird dann in die gegenüberliegende Spule geschoben und umgeknickt. Klappe zu und ein paar mal drehen. Halt!

Vorher muss noch unbedingt das hintere Sichtfenster abgeklebt werden. Schließlich möchte man hier ja keinen Lichteinfall von hinten auf den Film haben, wo doch dieser – im Gegensatz zum Rollfilm – kein Schutzpapier besitzt.

 

Kleinbuldnegativ mit Sprockets

Klicks, Klacks und Umdrehungen

Nun steht man allerdings natürlich vor einem Problem: Wie weit muss ich den Knopf drehen bis zum nächsten Bild? Bei einigen Kameras rastet der Drehknopf beim Drehen leicht ein, da heißt es, Klicks zählen: Bei der Holga sind es z.B. ungefähr 34, bei der Diana würde ich es hingegen mit ca. 70 Klicks versuchen, bei der Lomo Lubitel (die ich verwendet habe) sind es 50 dieser Clicks.

Gibt es keine Rasterung oder ist man sich nicht sicher, so muss ein Testfilm her, auf welchem man sich mit einem Filzstift eine Markierung macht (Strich) und bei geöffneter Rückwand beobachtet, wie weit man drehen muss, bis dieser Strich über das gesamte Bild (und noch ein kleines Stück weiter) gewandert ist. Bei der Lubitel sind es z.B. ca. eineinhalb Umdrehungen. Eine genaue Tabelle (mit Berücksichtigung dass sich die Klick-Anzahl ja mit der Filmlänge bzw. des Aufroll-Durchmessers reduziert) findet man hier.

 

einbelichtete Randperforation Löcher

Belichtung

Hierzu gibt es nicht viel zu sagen: der Kleinbildfilm wird natürlich genau so belichtet wie sein größerer Bruder (bei gleicher ISO-Zahl, versteht sich). Es ist das gleiche Filmmaterial. Mann muss sich ja einfach nur vorstellen, dass hier oben und unten (oder rechts/links) lediglich etwas abgeschnitten ist.

den Film wieder heraus nehmen

Jetzt wird es allerdings komplizierter. Man kann hier nicht einfach zum Film entnehmen die Rückwand öffnen! Der Film muss ja vorher wieder zurück in die lichtdichte Patrone. Eine kleine Kurbel, wie sie bei Kleinbildkameras anzutreffen ist, gibt es hier nicht (da dieser Schritt beim Rollfilm entfällt). Also benötigt man hierfür einen absolut dunklen Raum, in welchem man den Film wieder per Hand zurück in die Patrone spult. Alternativ gibt es zu diesem Zweck einen sogenannten „Wechselsack“ zu kaufen. Eine weitere Alternative wäre … der Kleiderschrank. Die Neuauflage meiner Lubitel, die Lubitel +, besitzt mittlerweile so eine Kurbel von Werk aus. Ich habe aber die alte 166 B-Version und musste also in der Abstellkammer verschwinden.

 

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Film abgeben

Und noch etwas sollte man beachten: Gibt man den Film zum Entwickeln ab und bestellt gleich Papierabzüge mit, so sollte man sich nicht wundern, wenn die schönen Sprockets (die mitbelichtete Filmperforation) auf diesen gar nicht zu sehen sind. Ich glaube nicht, dass diese hier mit einbelichtet-, sondern eher, dass diese – wie sonst ja auch – einfach weggeschnitten werden. Der Weg wird wohl also immer über das eigene Einscannen der Negative führen. Hierfür benötigt man allerdings wiederum einen nicht ganz billigen Scanner mit Durchlichteinheit. Ob einer dieser einfachen kleinen Filmscanner diese „Sprockets“ mit einscannt, weiß ich nicht. Hinzu kommt noch, dass man beim Scannen auf die Filmmasken verzichten müsste, die den Film plan halten – es droht weitere Unschärfe.

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Was bleibt noch zu sagen? Wie bereits erwähnt, benutze ich den 35er Film am liebsten nur in meinen Kleinbildkameras und lege in meine Mittelformatkameras weiterhin nur den entsprechenden 120er Rollfilm ein. Immerhin erhöht sich die nutzbare Filmfläche des Kleinbildfilmes ein ganzes Stück, benutzt man ihn in einer 6×6-Kamera (was die Ränder anbelangt, meine ich).

Die Perforation wirkt dann aber irgendwann wieder störend. So ein kleiner Test war es mir aber wert, wo ich doch sowieso immer alles ausprobiere, was irgendwie möglich ist. Die Beispielbilder habe ich, wie bereits erwähnt, mit meiner Lomo Lubitel auf dem schönen Ferrania Solaris Film gemacht und ich hoffe, sie gefallen einigermaßen – trotz (oder gerade wegen?) des teilweisen Lichteinfalls. So etwas kann hier durchaus passieren, da so eine einfache Mittelformatkamera nicht unbedingt besonders lichtdicht sein muss, weil der eigentliche 120 Film ja von Haus aus ein durchgehendes Schutzpapier auf der Rückseite besitzt – der Kleinbildfilm nicht.

veröffentlicht: 7.01.11 | letzte Änderung: 24.01.24

Verschlagwortung dieses Artikels:
Clipart einer PersonHallo, hier schreibt Thomas über allerlei fotografische Themen. Für die neueste Technik habe ich jedoch wenig übrig – Mein Interesse gilt eher dem selber Machen, den kleinen Tipps und Tricks, auch der analogen Fotografie und dem Fotografieren mit Kunstlicht.

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5 Kommentare

Einen 35mm Kleinbildfilm in der Mittelformatkamera benutzen

  1. Erik sagt:

    Hey,
    dann werde ich mal versuchen mir einen solchen „Durchlichdeckel“ nachzubasteln. Kann ja nciht so schwer sein 🙂

  2. Erik sagt:

    Hallo,

    wie haben Sie es beim scannen der Aufnahmen geschafft die Sprockets mit auf der Aufnahme zu haben? Ich besitze einen Flachbrettscanner mit Durchlichteinheit. Schiebe ich den Film ein, werden die Sprockets jedoch leider verdeckt und können nicht mit eingescannt werden. Wie haben Sie das gemacht?

    • Thomas sagt:

      Hallo,
      diese „Sprockets“ kann man mit einscannen, wenn man einen Scanner hat, bei welchem man die Negative direkt aufs Glas legen kann. Bei solchen Scannern sitzt die Durchlichteinheit direkt im Deckel und leuchtet über die gesamte scannbare Fläche aus. Man benötigt also keinen dieser „Aufsätze“, in welche man das Negativ einschieben muss und bei denen dann nur die eigentlichen Bilder ohne Rand gescannt werden.

  3. mue sagt:

    Wenn ich einen 35mm KB-Film in die untere Rollenhalterung der Lubitel einsetze, schliesst die Klappe doch gar nicht, weil der Schacht für die 120er mit kleinerem Rollendurchmesser gemacht ist. Also gleich in der Dunkelheit (Wechselsack) auf 120er umspulen?

    • Thomas sagt:

      Hallo! Doch, das funktioniert eigentlich gut – zumindest bei all meinen Mittelformatkameras. Der Durchmesser der Kleinbildpatrone ist lediglich nur ca. 1 mm höher (wenn überhaupt) als der eines Rollfilmes.
      Sollte ein Kleinbildfilm nicht in die entsprechende Kammer einer Mittelformatkamera für Rollfilm passen, würde man aber in der Tat über deine Lösung – Aufspulen (in einem dunklen Raum oder per Wechselsack) des Kleinbildfilmes auf den Kern eines Rollfilmes – zum Ziel kommen. Bei mir ging es mit der Lubitel (bei der ich die Sache mit dem Kleinbildfilm ausprobiere) gut ohne Umspulen.

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