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Kratzer auf dem Objektiv: Und es geht doch

ThomasKategorie: Kameras und Objektive 6 Kommentare

Ich besitze ein sehr zerkratztes Objektiv, ein „Zeiss Flektogon“. Dummerweise hatte mich der Verkäufer nur dezent auf die vielen Kratzer auf der Linse hingewiesen. Jedoch üben sich jene gar nicht auf die Bilder aus!

Zunächst hatte ich mich sehr darüber geärgert: Per Ebay hatte ich ein Carl Zeiss Jena Flektogon 50 mm 1:4 ersteigert, zu einem recht günstigen Preis. Allerdings ist das Objektiv doch sehr beschädigt: Deutlich sind tiefe Kratzer auf der Frontlinse vorhanden. Eine Rückgabe war – da Ebay – leider ausgeschlossen. Immerhin ist der Verkäufer im Nachhinein etwas mit dem Preis runter gegangen.

Nun saß ich also auf dem zerkratzten Objektiv. Ich probierte es dennoch aus und verglich dessen Abbildungsleistung mit einem technisch einwandfreien Flektogon, welches ich mir von einem Freund auslieh: Es waren keine Unterschiede in der Bildleistung feststellbar, trotz der auffälligen Kratzer!

Kratzer auf dem Objektiv

Das sieht aus, als hätte hier Jemand einen Schraubendreher auf die Frontlinse aufgesetzt und mit einem Hammer hinten drauf gehauen. Zunächst denkt man bei diesem Anblick: Das wird nichts mehr mit diesem schönen Objektiv, doch hier kann man durchaus irren.

Denn erstaunlicherweise scheinen sich solche zerkratzten Frontlinsen gar nicht auf das Bildergebnis auszuwirken. Mein Vergleich (mit dem intakten Objektiv gleicher Bauart) bestand im Abfotografieren von mehreren Zeitung, die auf dem Boden lagen. Die Schärfe und der Kontrast waren bei beiden Objektiven gleich. Ich nutze das Zeiss Flektogon erfolgreich an meiner analogen Pentacon Six und Kiev. Außerdem kann ich es an meine Nikon-Digitalkamera adaptieren.

Hier sind zwei Beispielbilder, welche ich mit genau diesem zerkratzten Objektiv aufgenommen hatte:

Beispielfotos:

Beispiel Flektogon

eine Produktabbildung

Nur ein einziger Blitz - dies ist die Prämisse bei diesem Buch. Der Autor vermittelt Techniken, mittels derer man mit möglichst minimalistischem Setting dennoch zu aussagekräftigen Fotografien gelangt, eben nur mit einem einzigen Blitzgerät.

zerkratztes Objektiv

Alle Fotografien sind knackscharf. Glück gehabt. Stoße ich in Zukunft bei Ebay auf ein Objektiv, welches durch entsprechende Kratzer stark im Preis gedrückt werden sollte, werde ich also über einen Kauf durchaus nachdenken.

veröffentlicht: 14.05.15 | letzte Änderung: 2.01.24

Clipart einer PersonHallo, hier schreibt Thomas über allerlei fotografische Themen. Für die neueste Technik habe ich jedoch wenig übrig – Mein Interesse gilt eher dem selber Machen, den kleinen Tipps und Tricks, auch der analogen Fotografie und dem Fotografieren mit Kunstlicht.

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6 Kommentare

Kratzer auf dem Objektiv: Und es geht doch

  1. Andreas (nicht identisch mit A. weiter unten) sagt:

    Kratzer können selbstverständlich nicht direkt abgebildet werden, dazu müsste das Objektiv eine Naheinstellung von ~0 Metern besitzen, um auf die zerkratzte Frontlinse fokussieren zu können (Thema beendet). Kratzer machen sich jedoch sehr wohl indirekt in einer Verschlechterung der Abbildungsleistung bemerkbar, denn sie sind nichts anderes als Beugungsgitter (bzw. Beugungslinien), die das Licht streuen, das dann nicht mehr im Brennpunkt (Film, Sensor) vereinigt wird. Der Effekt ist auch deutlich mittels MFT nachweisbar. Das Ergebnis sind ein verminderter Kontrast und Beugungssterne, ähnlich den absichtlich zur Verfremdung eingesetzten Effektfiltern (wer’s mag). Natürlich kann man den Unterschied zwischen einem zerkratzten und einem intakten Objektiv nicht an Hand von Fotos in Postkartengröße erkennen, dafür braucht es jedoch auch kein qualitativ hochwertiges Objektiv.

  2. Oliver sagt:

    … bei dem britischen Erotikfotograf David Hamillton hieß es sogar, er würde seine Objektive absichtlich zerkratzen um so seine super soften Akte junger Frauen machen zu können … ein DUTO Einschraubfilter mit konzentrisch eingefrästen Ringen ist aber deutlich günstiger … 😉

  3. Andreas sagt:

    Teste doch mal das Objektiv im Gegenlicht, dabei sollten durch die verkratzte Frontlinse schöne Flares entstehen. Das kann bei Portraitaufnahmen einen schönen Effekt geben.

    Gruß

  4. Andreas sagt:

    Hallo, sofern du deine Aufnahme im Raum, d.h. ohne Streulicht machst, können die Kratzer auf der Linse die Qualität der Aufnahme nur nahezu unsichtbar mindern. Sobald du aber Streu- bew. Gegenlicht hast, wirst du eine starke Diffussion feststellen; eine Abbildung der Kratzer gibt es aber aus fotooptischer Bauweise des Objektivs nicht. Solche verkratzten Objektive lassen sich aber sehr schön für verträumte Land-
    schafts- oder Portrait-Fotos einsetzen; auch interessant mit Adapter für Digital-Kameras.

    Grüße!
    Andreas

  5. Wolfgang sagt:

    Kratzer auf Frontlinse machen sich wirklich nicht sichtbar bemerkbar, auf der Hinterlinse aber sehr stark. Grund ist, dass vorne nur der Lichteinfall behindert wird, die Hinterlinse aber die Abbildung beeinflusst. Kratzer vorne sieht man nur bei seitlichem Lichteinfall (Sonnenblende verwenden) oder bei Gegenlicht-Aufnahmen.
    Also im Prinzip Schönheitsfehler – nichts für den Müll.

    Wolfgang

  6. Hermann Porten sagt:

    Hallo,
    bin zufällig auf diesen Artikel gestoßen.
    Das gleiche ist mir mit dem gleichen Objektiv auch passiert. Extrem billg, als verkratzt angeboten, gekauft und:
    keine Auswirkung aufs Foto (S/W Ilfort pn 50).

    LG

    Hermann

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