Konventionelles, Unkonventionelles, Tipps und Tricks zur Fotografie

Panoramakamera im Mittelformat: Noblex Pro 120 / 150

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Panorama-Bilder zu machen. Eine Möglichkeit wäre eine echte Panoramakamera. Ich hatte jüngst die Möglichkeit mit einer entsprechenden Mittelformatkamera Panoramen anzufertigen: mit der Noblex Pro 6 120 aus Dresden.

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*Dieser Artikel ist gar nicht der, nach dem Sie eigentlich suchten? Vielleicht interessiert Sie jener mehr:
Die Zukunft der Fotoindustrie: eine Prognose
Noblex Kamera 120 ProDie Noblex 120 Pro ist eine echte Mittelformat-Panorama-Kamera.

Für echte Panoramen (echt bedeutet: Das [Weitwinkel-„] Bild wird nicht einfach nur oben und unten beschnitten) gibt es drei Möglichkeiten: Entweder man fertigt mehrere Aufnahmen nacheinander an, dreht die Kamera dabei und setzt die Einzelbilder später in z. B. Photoshop wieder zusammen. Dann gibt es noch die Möglichkeit, mit einem echten Shift-Objektiv zu arbeiten. Hier habe ich bereits sehr gute, hochauflösende Panoramen anfertigen können. Lesen Sie bei Interesse auch: Mein Nikon-Shift-Objektiv. Und zu guter Letzt: Man nutzt eine echte Panorama-Kamera. Diese Panoramakameras gibt es in zwei Versionen: Entweder jene, die ein sehr starkes (Mittelformat-) Weitwinkel besitzen (z. B. die Hasselblad Xpan) und jene noch echtere Panormakameras, bei denen sich das Objektiv dreht. Die Noblex aus Dresden gehört zur zweiten Gattung. Bei ihr dreht sich das gesamte Objektiv während der Aufnahme:

Kamera von Noblex

Die (analoge) Noblex ist eigentlich recht simpel aufgebaut:

Funktionsweise der Noblex

Der Film (120er Mittelformatfilm) wird in die Panoramakamera eingelegt und zwar konstruktionsbedingt so, dass er gewölb positioniert wird:

gewölbte Filmführung

Vor dem Film befindet sich der Verschluss. Jener wird während der Aufnahme in Bewegung gesetzt bzw. belichtet den Film immer nur einen Spalt entlang.

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Bedienung der Noblex

Oben Sehen Sie:

  1. Den Filmtransportknopf,
  2. den Auslöser,
  3. den Knopf für Mehrfachbelichtungen (für lange Zeiten relevant),
  4. den Sucher (mit zwei Wasserwaagen),
  5. den An- / Aus-Schalter,
  6. den Verschluszeiten-Wahlknopf sowie
  7. einen Anschluss für einen Belichtungsmesser.

Auf der Vorderseite der Kamera lässt sich folgendes Einstellen:

  1. die Blende,
  2. die Entfernung (in drei Stufen [mehr ist nicht nötig“]),
  3. ein Objektiv-Shift nach oben.

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Ein kurzes Video aus den Noblex-Werken

Hier gibt es ein (ganz) kurzes Video mit Blick in die Noblex-Werke:

https://youtu.be/-oqenuT4SnA

Schärfentiefe-Skala

Mit der Noblex-Panoramakamera fokussiert man nach dem sogenannten Zonenfokus. Daher sind bei dem Weitwinkelobjektiv nur drei Schärfepunkte definierbar. Ob das Motiv im Fokus ist, kann man einfach an der hinteren Tabelle ablesen:

Tabelle für Schärfentiefe

Beispiel: Bei Blende 11 wäre bei der Fokus-Einstellung „M“ (M=Medium) alles zwischen 2,8 Meter bis Unendlich scharf abgebildet.

Ferner sehen Sie auf dem Foto die beiden Kammern für die Batterien: 2 R6-Batterien (je 1,5 V) werden benötigt. In der Bedienungsanleitung wird explizit gesagt, dass Batterien (statt Akkus) verwendet werden sollen.

Objektiv-Shift

Es ist bei der Noblex Panoramakamera möglich, das Objektiv ein Stückchen nach oben zu schieben, also zu schiften. Dies ist bisweilen auch nötig, wenn man auf eine absolut lotrechte Position der Kamera wert legt, um möglichst keine Verzerrungen im Bild zu haben. Dummerweise befindet sich dann eventuell zu viel Vordergrund und zu wenig Himmel mit im Bild. Durch ein leichtes Verschieben des Objektivs nach oben hin, kann man dieses Problem zumindest zu einen gewissen Teil lösen.
Im Sucher befindet sich hierfür oberhalb eine kleine Aussparung, an welche man sich orientieren kann.

Ein Video von der Panoramakamera

Ich hatte ein Video von der Noblex aufgenommen. Hier wird die Funktionsweise mit dem rotierendem Objektiv sehr gut verdeutlicht.
Hinweis: Aufgrund der neuen Datenschutzverordnung habe ich mich dazu entschlossen, das Video nicht mehr direkt einzubetten, sondern lediglich darauf zu verlinken:
https://youtu.be/cFc8X69kp8o

Der Motor für lange Belichtungszeiten

Standardmäßig kann die Noblex 120 Pro 150 bei Belichtungszeiten zwischen 1/15 bis zu 1/250 Sekunde belichten. Möchte man länger belichten (wenn es dunkler ist, zum Beispiel in Innenräumen), muss man

Besagten Motor sehen Sie auf Bild Nr. 1 in diesem Artikel sowie im Video. Dieses (anschraubbare) Langzeitmodul erlaubt Belichtungszeiten bis zu zwei Sekunden. Das Objektiv dreht sich hierbei äußerst langsam (viel länger als zwei Sekunden, denn diese zwei Sekunden gelten ja für jeden Bereich des Negativs).

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Lange Zeiten ohne Motor

Jedoch ist es auch ohne dem Motor („Langzeitmodul“) möglich, ein Motiv mit längeren Verschlusszeiten als 1/15 Sekunde zu belichten. Hierzu muss mehrfach ausgelöst werden – und zwar mittels Drahtauslöser und Stativ. So erhält man eine Verschlusszeit von 1/8 Sekunde, indem man die 1/15 Sekunde einfach zweimal auslöst. Um auf die 1/4 Sekunde Gesamtbelichtungszeit zu kommen, muss man die 1/15 Sekunde bereits viermal auslösen usw. Es leuchtet ein, dass man hierbei die Kamera keinesfalls bewegen darf. Auch innerhalb des Motivs selbst darf natürlich möglichst keine Bewegung stattfinden. Mit dem Motor ist dies natürlich bequemer.

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Panorma mit der Mittelformatkamera

Hier sehen Sie die Mittelformatkamera in der Praxis. Auch hier hatte ich das Langzeitmodul (Motor) angeschraubt, da ich gerne weiter abgeblendet (f/16) arbeite, um eine möglichst hohe Schärfentiefe zu erlangen. Sie sehen auch mein treues Triopo-Stativ. Ein solches stabiles Stativ ist für eine Mittelformat-Panoramakamera essentiell. Bei kurzen Zeiten kann man aber auch aus der Hand auslösen. Obacht: Hierbei darauf achten, dass die Hände in den Griffmulden verschwinden, sonst sind sie mit auf dem Bild!

Beispielbild mit der Noblex

Hier folgt nun ein Beispielbild. Ich hatte es mit der Noblex 120 Pro / 150 aufgenommen. Der Mittelformatfilm war ein Kodak Ektar 120. Gescannt wurde mit dem Epson V750 Pro bei 3200 DPI:

Panorama Foto

Die Größe des Mittelformat-Negativs beträgt ca. 5 cm x 12 cm. Die Brennweite des Objektivs beträgt 50 mm. Es ist durch das Mittelformat eine enorm hohe Detailauflösung realisierbar:

Detail des Beispielfotos

Detail

Dieser Ausschnitt zeigt den Kirchturm ganz links. Man kann sogar ablesen, zu welcher Uhrzeit die Aufnahme gemacht worden ist. Die Auflösung beträgt bei einem 3200-DPI-Scan 90 Megapixel. Das Panorama kann man dann also richtig schön groß ausdrucken lassen und dabei sehr dicht heran gehen, um noch viele, viele Details erblicken zu können.
Der rote Farbstich auf den Beispielbildern kommt übrigens von der etwas falsch gesetzten Ausfilterung des Negativs, hier war ich etwas nachlässig in der Bildbearbeitung.

ein Foto einer analogen Panoramakamera

Analoge Fotografie: Das Handbuch

Dieses Buch sieht aus wie aus den 1970er Jahren. Dies trügt: Es ist eine Neuveröffentlichung. Hier geht es nicht darum, wie man gelungene Fotografien anfertigt. Hier geht es um Technik: Es ist sozusagen eine Universalbedienungsanleitung für die vielen älteren manuellen analogen Kameras. Es ist ein "Handbuch" zur Bedienung der mechanischen Kamera.

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Hier noch ein weiteres Foto der analogen Panoramakamera. Per Mausklick können Sie noch eine leicht größere Version sehen.
Das Foto hatte ich auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz der „Russen“ zwischen Jüterbog und Luckenwalde aufgenommen („Forst Zinna“). Für solche Landschaftsfotografien sind Panoramakameras ideal! Die Noblex 120 Pro stand hierbei sauber per Wasserwaage ausgerichtet auf meinem stabilen Stativ. Ich nutzte zur Aufnahme den Motor und blendete auf f/22 oder mind. auf Blende 16 ab. Als Entfernung stellte ich den Mittelbereich („M“) ein. Hierdurch wurde dank des hohen Blendenwertes sowohl der Vordergund wie auch der Hintergrund (Unendlich) scharf abgebildet. Die Shift-Funktion nutzte ich hier nicht, da ich diesmal freilich den abfallenden Vordergrund (die Panzerbahnen) mit auf dem Bild haben wollte. Durch das starke Abblenden des Objektives der Noblex 120 Pro wird dann alles scharf abgebildet – vom Nahbereich bis hin zum Unendlichen. Mittels Drahtauslöser startete ich dann die Belichtung und langsam bewegte sich das Objektiv. Ich stand still und versuchte mich nicht zu bewegen, damit der weiche Boden nicht leicht nach geben konnte bzw. damit Stativ und Kamera absolut ruhig stehen konnten. Der Vorgang der Belichtung dauert dann mehrere Sekunden und ist bei den langen Zeiten nur mit dem externen Motor realisierbar.

Hat man den Motor nicht, muss man einfach mehrere Aufnahmen hintereinander machen (Mehrfachbelichtung), um das Negativ nicht unter zu belichten. Hierzu gibt es eine Tabelle mit entsprechenden Angaben in der Anleitung der Panorama-Kamera. Hierzu drückt man den Drahtauslöser einfach mehrmals hintereinander, wenn die vorherige Belichtung bereits abgelaufen ist. Auch hier ist unbedingt darauf zu achten, dass die Kamera bzw. das Stativ absolut ruhig steht. Ein schweres Stativ und möglichst kein Wind ist hier also sehr wichtig. Als Film für diese Aufnahme nutzte ich den Kodak Portra 100 NC. Ein sehr guter Farbfilm mit hoher Auflösung, wie auf diesem Detailausschnitt zu erkennen ist:

ein Detail aus dem Panoramafoto

Hier sehen Sie noch ein Detail aus dem obigen Panoramafoto. Suchen Sie dort nach der künstlich gesetzten roten Markierung und vielleicht sehen Sie dort gerade so noch den Schornstein. Die erreichte Auflösung ist mit so einer Mittelformatkamera schon extrem hoch. Im Grunde ist es ja schon eine Großformatkamera bei den 12 cm Negativbreite. Bei einem großen Ausdruck der Bilder solcher Rollfilm-Negative kann man sehr dicht heran treten und wird noch sehr viele Details erblicken können – wie diese alten Panzer-Garagen, die zunächst auf den ersten Blick gar nicht sichtbar sind. Wichtig ist natürlich, dass man solche Negative / Dias vernünftig (sorgsam) scannt. Dank Rollfilm sollte dies jeder Scann-Anbieter tun können. Denn viele können ja keine „regulären“ Großformatnegative digitalisieren, da sie Einzugscanner wie den Fuji Frontier nutzen. Ich selbst scanne die Bilder daheim mit dem Epson v750 und mit Glasauflagen (Antinewton-Glas) bzw. mit kalibrierten Filmhaltern (Höhe genau im Fokus).

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Alternativen

Es gibt hierzu meines Wissens nach noch entsprechende Kameras aus der ehemaligen Sowjetunion: die Horizont (Gorizont / Горизонт) sowie die FT-1 bis FT-3 des Herstellers „KMZ“. Ferner gibt es die „Horizon“, welche auch noch neu hergestellt wird (oder wurde?). Bei allen Kameras handelt es sich aber um Kleinbild-Panoramakameras. Möchte man die hohe Auflösung des Mittelformats nutzen, muss man zur Noblex Pro 6 greifen. Eine Alternative wäre noch die „Panon Medium Format 120“, offenbar aus den USA. Sicherlich gibt es hier weitere Nischenprodukte.

Wer beim Kleinbild bleiben möchte, für den gäbe es außerdem noch die „Hasselblad Xpan„. Der Konjunktiv wurde hier nicht etwa eingesetzt, weil die Xpan gebraucht so sehr selten ist. Sie ist einfach sehr teuer. Sie nutzt kein rotierendes Objektiv sondern Wechselobjektive (mit Mess-Sucher), die in der Lage sind, ein ziemlich breites Stückchen Kleinbildfilm zu belichten. Als eine Kleinbild-Panorama-Kamera mit rotierendem Objektiv wäre hier die „Widelux F7 KB Panoramakamera“ zu nennen.

Ich denke, diese Panoramakamera (ich bin jetzt wieder bei der Noblex) ist ein eher sensibles Gerät und es wird wohl keinen Service mehr dafür geben. Auch wird diese Sonderform der analogen Kamera sicherlich nicht mehr hergestellt werden (zumindest im Mittelformat). Meine hatte ich mir damals ausgeliehen. Vermutlich ist sie eine prima Geldanlage, so lange es noch Filme zu kaufen gibt.

Artikeldatum: 1.07.2015 / letzte Änderung: 11. November 2019

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eine Anmerkung bisher

Hinweis: Auch wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Du und freue mich über Kommentare.

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