Konventionelles, Unkonventionelles, Tipps und Tricks zur Fotografie

Test: altes Nikon Nikkor PC 35 mm 1:2.8 Shift an Digitalkamera

Seit kurzem besitze ich ein echtes Shift-Objektiv: Das Nikon PC-Nikkor 35 mm 1:2.8. Natürlich interessierte mich als erstes, inwiefern dieses alte Objektiv auch an einer modernen Digitalkamera funktioniert. Dies geht nämlich nur bedingt.

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*Dieser Artikel ist gar nicht der, nach dem Sie eigentlich suchten? Vielleicht interessiert Sie jener mehr:
Wir bauen uns eine Aufnahmehilfe zur Ausschnittsbestimmung

Ich besitze eine Großformatkamera, deren Objektiv sich shiften lässt: Ich kann die Kamera selbst also absolut lotrecht ausrichten und um den Kirchturm in seiner ganzen Größe mit ins Bild zu bekommen, muss ich nur das Objektiv nach oben bewegen. So (durch die lotrechte Ausrichtung) verhindere ich jegliche vertikale Verzerrungen. Das möchte ich auch mit einer Digitalkamera machen! Ein Shift-Objektiv muss her und ich habe mir hierfür für relativ wenig Geld (bei Ebay für ca. 200 €) ein altes Nikkor 35 mm 1:2.8 zugelegt.

Verzerrungen vermeiden

Zunächst kann man Verzerrungen auch mit „normalen“ Objektiven vermeiden: Man darf die Kamera eben nur nicht schwenken. Jedoch muss man dann eine kürzere Brennweite nehmen oder eben mehr vom Motiv weggehen (und damit die Perspektive ändern!), damit jenes in seiner Gänze noch abgebildet werden kann. Später muss man dann oftmals überflüssigen Vordergrund sowie entsprechende seitliche Elemente wegschneiden: Man würde Auflösung verschenken. Auch beim Entzerren mit dem Computer in der Postproduktion verschenkt man Auflösung, denn das Bild wird auch hier zu einem gewissen Teil beschnitten. Das möchte ich nicht. Allerdings möchte ich auch nicht so viel Geld für ein modernes Shiftobjektiv ausgeben. Für ca. 200 € war ich mit dem „analogen“ PC-Nikkor 35 mm dabei:

PC Nikkor 35 mm Objektiv

Auf dem Foto sehen Sie sehr gut, wie die gesamte Linsenkonstruktion nach oben „geshiftet“ d. h. verstellt wurde. Die lässt sich vom Zentrum ausgehend in jede Richtung stufenlos ca. einen Zentimeter bewerkstelligen. Im Kleinbild- bzw. Vollformat ist eine Verstellung von einem Zentimeter schon gehörig: Plötzlich passen Motivelemente in das Bild, welche zuvor nur durch ein Schwenken der Kamera „erfassbar“ wären. Zusätzlich wird redundanter Vordergrund ausgeblendet. Durch die absolut parallele Ausrichtung der Kamera kommt es zu keinerlei Verzerrungen: Der Kirchturm erstreckt sich kerzengerade gen Himmel. Wie fast alle alten Nikon-Objektive passt auch das 35er Nikkor-PC problemlos an meine DSLR-Kamera. Es ist kein Adapter nötig. Lesen Sie bei Interesse auch meinen Artikel: Alte Nikon Objektive an moderner Digitalkamera. Denn Obacht: Nicht an alle Nikon DSLR-Kameras passen die alten schönen „analogen“ Objektive.

Großformat KameraGenau so, wie ich an meiner Großformatkamera das Objektiv bequem verstellen kann, möchte ich es auch an der Digitalkamera tun können.

Spiegelungen vermeiden

Ein weiterer Vorteil von einem Shiftobjektiv wie meinem PC-Nikkor ergibt sich beim Abfotografieren von spiegelnden Flächen, etwa Bilder hinter Glas: Man tritt einfach einige Schritte nach rechts und verstellt dafür das Objektiv nach links: Schon ist das Motiv wieder mittig im Sucher zu sehen, die eigene Spiegelung jedoch nicht!

Das PC-Nikkor Shift wurde natürlich ursprünglich für das Belichten von Film geschaffen. Setzt man es aber vor einen digitalen Chip, so ist zunächst daran zu denken, dass ein solcher Sensor einer Digitalkamera eine andere Oberfläche hat als ein Film: sehr schräg einfallendes Licht verursacht oftmals unschöne Effekte und tatsächlich: Bei Offenblende ist das Nikon Shift-Objektiv überhaupt nicht an einer Digitalkamera zu gebrauchen!

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Das Nikon-Shift-Objektiv an der Digitalkamera

Für meinen Test verwendete ich die Nikon D800 Vollformatkamera. Dass es sich um eine Vollformatkamera handelt, war mir wichtig, denn ich wollte die Abbildungsqualität bis zum maximal angegebenen Format nutzen. Das Kleinbildformat (für welches das Nikkor gebaut wurde) ist ja fast so groß wie ein Vollformatchip.
Zunächst testete ich die Abbildungsqualität ohne Shiften. So sieht der Testaufbau aus:

Testtafel

Ich montierte die Kamera auf einem Stativ und setzte den Aufsteckblitz „SB 600“ auf die D800. Es ist wichtig, dass bei solchen Objektivtests immer das gleiche Licht vorhanden ist. Mit einem Blitz ist das kein Problem. Nun sehen Sie die Testaufnahmen. Es handelt sich um 100%-Ausschnitte aus dem Zentrum der Testtafel (jedoch für’s Web etwas verkleinert):

Test vom Shift Objektiv

Nikkor 35 mm an Digitalkamera

Das erste Testergebnis

Wie oben bereits angedeutet: Mein altes „analoges“ PC-Nikkor ist überhaupt nicht bei Offenblende (f/2.8) an einer Digitalkamera verwendbar. Hier kommt es zu auffallenden Chromatischen Aberrationen: Deutlich sind lila Säume und eine globale Unschärfe festzustellen.
Zunächst dachte ich: Mist. Beim Abblenden verringern sich jedoch die Fehler deutlich! (Puh.)

Man muss das Nikon 35 mm Shift-Objektiv auf mindestens Blende 8 abblenden, um an einer Digitalkamera eine gute Abbildungsqualität zu erreichen. Bei Blende 11 ist jene exzellent. Bis Blende 16 würde ich gehen. Danach (ab f/22) kommt es zur sogenannten Beugungsunschärfe.
Ich selbst bin kein Schnappschussfotograf: Ich arbeite immer mit Stativ und blende gut ab, um eine hohe Schärfentiefe zu gewährleisten. Ein solches Shift-Objektiv ist ohnehin am besten auf einem Stativ zu gebrauchen. Es ist ein Garant für ruhiges und bedachtes Fotografieren, zumal dieses Objektiv natürlich keinen Autofokus besitzt.

Ich habe oben auch ein Bild mit einem modernen „digitalen“ Nikkor-Objektiv gleicher Brennweite (Festbrennweite 35mm) abgebildet, damit man einen direkten Vergleich mit einem Standard-Objektiv hat. Abgeblendet ist das alte Nikkor keinesfalls schlechter!

Test mit maximaler Shift-Verstellung

Nun wurde es kritischer: Wie ist die Abbildungsqualiät beim maximalen Shiften?
So sah mein Testaufbau aus:

Testaufbau beim shiften

Ich stellte die Kamera viel weiter nach links. Zunächst war die Testtafel vollständig aus dem Bild verschwunden. Nun verstellte ich das Objektiv ganz nach rechts. Die Testtafel ist nun gerade so im Bild.

Hier kommen die Testbilder:

Testbild No.1

Testbild No.2

Auch hier zeige ich 100%-Ausschnitte. Es handelt sich jeweils um den rechts-äußeren und unteren Bereich der Testtafel.
Jedes Objektiv hat die schwächste Abbildungsleitung an den Ecken. So auch hier. Zusätzlich wurde bis an den äußersten Bereich des Bildkreises geshiftet: Ein Extrem.

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Auch im Handel werden diverse Testtafeln für Objektive und Kameras angeboten, um deren Qualität beurteilen zu können.

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Deutlich ist zu sehen, dass hier am äußersten Rand des Bildkreises das Optimum erst bei Blende 16 erreicht ist. Ab Blende 22 kommt es zur Beugungsunschärfe (was abzusehen war). Verstellt man das Nikkor nur zu 3/4, kann man durchaus auch bei Blende 8 „shiften“. Verstellt man es bis zum Maximum, muss man auf Blende 16 abblenden, damit auch noch in den Bildecken eine einigermaßen vernünftige Abbildungsqualität gewährleistet ist (dies gilt natürlich [hoffe ich doch“] nicht bei der Verwendung an analogen Kameras).

Auffallend sind hier auch wieder die lila (hier bereits blaue) Säume. Jene wird man auch nicht bei Blende 16 vollständig los – jedoch nur, was die äußersten Bildränder im Vollformat anbelangt. Die Praxis wird in Zukunft zeigen, ob dieser Fehler bei normalen Bildern und normalen Vergrößerungen überhaupt von Bedeutung sein wird. Ich selbst besitze nur eine DSLR mit Crop-Sensor (Nikon D200). An ihr kommt es nicht zu den Fehlern am Rand, da dieser Rand ja gar nicht von dem (kleineren) Sensor gesehen werden kann.
Zudem lassen sich Chromatische Aberrationen offenbar relativ simpel mittels einer Bildbearbeitung entfernen.

Dass diese Testbilder nun etwas dunkler sind als die ersten, liegt daran, dass ja das Blitzgerät mit der Kamera nach links gewandert ist bzw. sich vom Motiv entfernt hat.

Foto mit Shift

Ein Foto mit nach oben „geshifteten“ Objektiv: Redundanter Vordergrund ist nicht mehr im Bild (dafür aber der Himmel). Die Vertikalen des Hauses sind schnurgerade bzw. alle parallel zueinander stehend (da die Kamera parallel ausgerichtet war). So etwas bekommt man a) nur mit einem verstellbaren Objektiv hin oder b) mit einer nachträglichen Entzerrung mittels Bildbearbeitung, wobei aber immer die Auflösung durch Beschnitt reduziert wird. Ich möchte aber die gesamte Auflösungskapazität nutzen.

Das Objektiv in der Praxis

Hier folgen nun drei Bilder, bei welchen nicht die Testtafel das Motiv war:

verzerrte Linien

Zunächst eine Aufnahme ohne Shift und dafür mit nach oben geschwenkter Kamera. Deutlich sind die verzerrten, sich nach oben verjüngenden Linien zu erkennen.
Anschließend hatte ich die Kamera wieder gerade ausgerichtet und das Nikkor PC nach ganz oben geshiftet:

gerade ausgerichtetes Foto

Nun sind jegliche Vertikalen auch kerzengerade. Durch das Verstellen des Objektives habe ich wieder den Himmel im Bild. So sieht das Bild ohne Shift aus:

ohne Shift aufgenommenes Foto

Hier hatte ich die Kamera zwar lotrecht ausgerichtet. Jedoch befand sich das Objektiv noch in 0-Stellung. Im Vergleich sieht man deutlich, wie sehr sich der Bildkreis verstellen lässt. Man könnte beide Bilder auch mittels z. B. Photoshop zu einem einzigen, größeren zusammen „stitchen“ (zusammen setzen).

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Bildfehler bei verändertem Bildkreis

Wie oben schon erwähnt und ausgetestet, besitzt jedes Objektiv zum Rand hin eine etwas schlechtere Abbildungsqualität. Durch Abblenden kann man diese optischen Fehler reduzieren, was ich bei den Beispielbildern auch tat, denn ich fotografierte bei Blende 16. Dennoch sind Qualitätsunterschiede sichtbar, betrachtet man sich eine „ungeshiftete“ Aufnahme mit einer, bei welcher der Bildkreis sehr verstellt wurde:

Detailaufnahme

Dies ist eine Detailaufnahme aus dem obersten Foto, bei welchem keinerlei Verstellung statt fand.

zweites Vergleichsfoto

Und hier die Aufnahme, bei welcher der Bildkreis nach oben verschoben wurde. Es ist im Detail zu sehen, dass beim Shiften die Bildqualität an den Rändern hin leicht abnimmt. Hier treffen die Lichtstrahlen in einem nunmehr äußerst steilen Winkel auf den Chip der Digitalkamera, so dass es in dieser Randregion immer noch (trotz Abblenden) zu gewissen Bildfehlern kommt.

Für meinen Geschmack ist dies aber noch in Ordnung. Die Fehler treten ja nur in dem entsprechenden Bildbereich auf, in dessen Richtung das Objektiv verstellt wird. Bei einer reinen Hochformataufnahme beträfe dies ja nur den Himmel bzw. Wolken.

Das Objektiv verstellen

Man kann die Richtung der Verstellung frei wählen, indem man die gesamte Objektivkonstruktion einfach dreht:

Drehen des Objektives

Hierzu gibt es insgesamt 12 fixe Positionen, bei dem das Objektiv satt einrastet. Es ist aber genau so gut möglich, Zwischenwerte zu wählen. Hier wackelt und klappert nichts.
Was nicht geht: maximaler horizontaler Shift + maximaler vertikaler Shift. Möchte man beide Ebenen maximal verstellen, muss man eine Zwischenstellung vornehmen bzw. einen Kompromiss eingehen.

Alte und neue Version

Offenbar besitze ich noch eine ältere Version dieser Linse. Das neuere Nikkor PC (PC heißt „perspective correction“ / = Perspektivenkorrektur) ist an einem ummantelten Regler für die Shift-Funktion ersichtlich. Meines hat noch den silbernen, „blanken“ Einstellknopf. Ob es optische Unterschiede gibt, weiß ich nicht.

Keine Springblende

Das Nikon 35mm Shift-Objektiv besitzt keine Springblende. Was ist eine Springblende? Normalerweise fokussiert man und betrachtet man sich sein Motiv durch ein völlig geöffnetes Objektiv (also bei offener Blende). Erst, wenn man auf den Auslöser drückt, schnellt („springt“) die (vorher gewählte) Blende blitzschnell ein. Diese Automatik existiert hier konstruktionsbedingt nicht.
Man muss zuvor die Blende am Objektiv selbst definieren. Hernach gibt es hinter dem Blendenring einen weiteren Ring, mittels welchem man die zuvor gewählte Blende entweder rein- oder heraus drehen kann. Zum Einstellen bzw. „komponieren“ hält man die Blende offen. Erst, wenn der Bildausschnitt korrekt eingerichtet ist, schließt man die Blende und betätigt den Auslöser.

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Durch das Shiften gerät der in der Kamera eingebaute Belichtungsmesser durcheinander. Hier muss man zunächst ohne Verstellung eine Messung vornehmen und diesen Wert speichern. Jedoch arbeitet man bei einem solchen Shift Objektiv ohnehin im völlig manuellen Modus:

Manueller Modus

Mit dem Nikon Shift arbeite ich ganz ähnlich wie mit meiner Großformatkamera: Manuelles Fokussieren und manuelles Messen der Belichtung. Für letzteres nutze ich meinen Handbelichtungsmesser von Gossen. Jedoch ist natürlich auch eine Belichtungskontrolle über das Histogramm der DSLR möglich. Es gibt übrigens auch für das Smartphone Belichtungsmesser-Apps.
Bei mir steht hierbei die Kamera immer auf „M“ = manueller Modus. Ein solches Objektiv ist für schnelles Arbeiten nicht geeignet, wohl aber für ruhiges, gewissenhaftes Fotografieren.

28 mm oder 35 mm?

Das Nikkor PC gibt es auch noch in der Version 28 mm. Zunächst überlegte ich, ob ein solches (mehr Weitwinkel) nicht vielleicht besser für mich geeignet wäre. Im Moment wäre es dies sicherlich tatsächlich: Denn ich besitze noch keine eigene Vollformatkamera und 28 mm an meiner Crop-Sensor-Kamera bilden ein schönes, leichtes Weitwinkel. An einer Vollformatkamera (und an meiner analogen Nikon) sind mir die 28 mm aber bereits zu weitwinkelig.
Außerdem befürchte ich, dass die oben aufgezeigten Abbildungsfehler bei Digitalkameras bei einem 28 mm Objektiv sicherlich noch ausgeprägter auftauchen.

Ferner hatte ich gesehen, dass es mein Objektiv auch in der Lichtstärke 1:3.5 gibt. Offenbar handelt es sich dabei um ein noch älteres Modell. Auch hie kann ich nichts zu der Abbildungsqualität sagen.

Mehr Auflösung durch Shiften

analoge Objektive an der DigitalkameraLesen Sie auch meinen Artikel über die Verwendung von alten, „analogen“ Nikon-Objektiven an der Digitalkamera.

Ich arbeite gerne im Hochformat. Stellt man hierbei das Objektiv zunächst nach ganz links und danach nach ganz rechts, hat man zwei unterschiedliche Bilder, die man nur noch am PC zusammen setzen muss. Die Perspektive hat sich hierbei nicht geändert, wie es beim bloßen Verschwenken der Kamera der Fall wäre. Es ist dann so, als hätte man einen viel größeren Chip in der Kamera bzw. eine viel höhere Auflösung.
Diese Technik habe ich aber bisher noch nicht genügend getestet. Außerdem darf es sich dann nur um ein absolut feststehendes Motiv (z. B. Architektur oder Landschaft) handeln und das Licht muss jeweils gleich sein. Ferner ist gerade hier ein stabiles Stativ Pflicht.

Obacht bei der Sonnenblende

Ich verwende immer gerne eine Gegenlichtblende / Sonnenblende, um Fremdlicht möglichst auszuschließen bzw. um eine etwaige Kontrastschwächung nicht zu riskieren. Beim Verstellen des Bildkreises (denn nichts anders macht man mit einem Shift-Objektiv) ist darauf zu achten, dass man hierbei möglichst große Sonnenblenden benutzen sollte. Gerade hier kommt es oft zur Vignettierung, wenn eine zu enge Gegenlichtblende verwendet wird.

eine Sonnenblende an dem Objektiv

Hier sehen Sie meine zunächst überdimensioniert wirkende Sonnenblende. Jedoch treffen durch den verschobenen Bildkreis nun auch viel steilere Lichtstrahlen auf den Sensor: Eine „normale“ Gegenlichtblende würde beim Shiften für Vignettierung sorgen, wo sie dies bei der Stellung „0“ noch keinesfalls tut.

Auf dem Foto sehen Sie auch einen Adapter mittels welchem ich die Sonnenblende an das hierfür zu kleine Filtergewinde des Objektives geschraubt habe. Das Filtergewinde beträgt – nikon-typisch – 52 mm.

Hinweis: Selbst die auf dem Bild abgebildete Sonnenblende ist bei maximaler Verstellung und bereits bei einem (kleineren) Crop-Sensor schon zu eng. Ich erhalte leichte Vignettierung an genau der kurzen Seite des Bildes, in deren Richtung „geshiftet“ wurde. Ich behelfe mir hierbei, indem ich die Gummisonnenblende an dieser Stelle leicht einknicke. Bei Gummisonnenblenden ist dies gut machbar.

Panorama-Aufnahmen mit dem Shiftobjektiv

Eine weitere interessante (und mit dem oben erwähnten Punkt ganz verwandte) Technik ist das Anfertigen von Panorama-Bildern mit dem Shiftobjektiv. Hierzu wird die Kamera in den Quermodus geschwenkt und auch hier einmal eine Aufnahme mit dem ganz nach links- und eine mit dem ganz nach rechts „geshifteten“ Objektiv angefertigt (das Objektiv wird hier einfach um 180° gedreht). Anschließend wird via Bildbearbeitung gestitcht (engl. „genäht“), also beide Aufnahmen passgenau zusammen gesetzt. Man erhält so sehr breite und doppelt hoch aufgelöste Panorama-Fotos. Auch hier ist die Besonderheit: Die Perspektive hat sich nicht geändert. Man erhält keinen gebogenen Horizont oder verzerrte Linien.

Panorama Aufnahme

Hier hatte ich eine solche Panorama-Aufnahme mit meiner Crop-DSLR angefertigt. Es verhält sich hierbei so, als hätte man einen doppelt so langen Chip in der Kamera (= doppelte Auflösung).

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Beide Teilaufnahmen haben nur einen ganz geringen gleichen Motivteil (der überlappt). So habe ich aus den 10 Megapixel meiner Nikon D200 letztendlich eine Aufnahme mit echten 19 Megapixel gemacht. In der Praxis bedeutet dies, dass ich obiges Motiv auf 63,3 cm Breite ausdrucken kann und zwar bei 300 DPI. Man kann also noch ganz dicht heran gehen und Details erblicken.

Natürlich hätte man dieses Bild auch mit nur einer einzigen Aufnahme und zwar mittels einem stärkeren Weitwinkel machen können (und müsste dann oben und unten noch beschneiden). Jedoch wäre dann die Detailauflösung viel geringer. Man müsste dann bei vielleicht 150 DPI drucken und könnte dann beim Herangehen weniger Details im Bild erkennen, da ja schlicht der Abbildungsmaßstab bei der Aufnahme viel geringer war.

Man könnte die gesamte Kamera auch für die beiden Einzelaufnahmen jeweils schwenken, um ein solches Panorama aufzunehmen. Hierdurch nimmt man aber zwei Bilder mit unterschiedlicher Perspektive auf: Man würde Verzerrungen erhalten.

Ein Hinweis: Es ist mit dem Nikkor-Shift bei der oben gezeigten Panorama-Aufnahme nicht möglich, zusätzlich noch nach oben zu „shiften“, um eventuell überflüssigen Vordergrund weg- und mehr Himmel hinzuzunehmen (ohne die Kamera je zu schwenken). Ein solches Objektiv lässt sich nur in je eine Richtung verstellen. Möchte man in beide Richtungen shiften (Vertikel + Horizontal) wird man wohl nicht um eine Großformatkamera bzw. „Optische Bank“ herum kommen.

Noch ein Hinweis zur Stitch- bzw. Panoramasoftware

Es war mir nie möglich, beide Einzelbilder „per Hand“ manuell in einer Bildbearbeitung passgenau nebeneinander zu platzieren, ohne dass ein sichtbarer Streifen / eine sichtbare Kante nicht sichtbar war. Was ist da los? Bei jeder Aufnahme – auch bei sonst völlig gleichen Parametern – belichtet die (meine zumindest) Kamera minimalst anders. So etwas kann vielleicht allein schon durch einen marginalen Temperatur- oder Spannungsunterschied auftreten. Was man sonst niemals sehen würde, wird beim Zusammensetzen (z. B. im Himmel) offensichtlich.
Daher sollte man sich nicht das Leben schwer machen und eine echte Stitch-Software benutzen. Ich nehme zum Zusammenfügen mehrerer Einzelbilder zu einem Panorama einfach das in Photoshop implementierte „Photo Merge“. Dieses kleine Plugin tut seine Arbeit hervorragend. Selbst komplexe Bilder werden ganz ohne Kanten zusammen gestitcht. Hierbei wird der jeweilige Außenbereich des Einzelbildes weich, zackig und leicht transparent gemacht, sodass beide Bilder ohne sichtbare Kante ineinander übergehen. Dies funktioniert in der Tat überraschend gut und sehr exakt – selbst bei z. B. komplexen Strukturen wie Äste und dergleichen.

ein Foto mit einem Shiftobjektiv aufgenommen

Ein kleiner Hinweis an dieser Stelle: Wenn man es genau richtig macht – macht man es manchmal dennoch falsch. Gemeint ist die absolut senkrechte Ausrichtung bei solch einem „geshifteten“ Motiv. Oftmals scheinen die Vertikalen Linien dann nämlich oben etwas auseinander zu laufen. Dies täuscht. Hier hilft ein ganz leichtes Kippen der Kamera nach oben bzw. eine nachträgliche Bearbeitung in der Bildbearbeitung.

Weiterhin fotografiere ich mit meinem Nikon-Shift-Objektiv natürlich hauptsächlich im „normalen Modus“. Hier ein analoges Foto ( „Vollformat“). Die Kamera stand absolut lotrecht auf dem Stativ (daher keine „stürzenden“ Linien). Ich verstellte das Objektiv zu ca. die Hälfte nach oben. So verschwand redundanter Vordergrund und der Himmel kam ins Bild zurück und der Baum ist nun bis hoch in die Krone abgebildet – ohne freilich die Kamera selbst aus der Vertikalen nehmen zu müssen. Eine nachträgliche Bildbearbeitung war nicht nötig (also was eine Perspektivkorrektur anbelangt). Ein Beschnitt (Verlust an Auflösung) musste dementsprechend nicht vorgenommen werden.

Werbung | Preis(e) zuletzt aktualisiert am 15. Juli 2020 (kann sich zwischenzeitlich geändert haben). Preis je inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten. Da je ein Fremdangebot: Alle Angaben ohne Gewähr.

Video

Hier gibt es noch ein Video zum hier vorgestellten Objektiv:

Alternativen

Natürlich wäre ein modernes, für Digitalkameras berechnetes Shift-Objekt viel schöner. Jedoch müsste ich für ein solches wesentlich länger am Fließband stehen (und hätte dann keine Zeit mehr für das Schreiben eines solch schönen Blogartikels).
Außerdem gibt es jene Objekive offenbar immer nur mit der „Tilt-Funktion“. Diese Funktionalität (Verstellbarkeit) wird sehr gerne in analogen Kreisen hoch gehalten, weil dies mit Fachkameras gut machbar ist. Doch mal ehrlich: Was möchte man schon mit dem Verstellen der Schärfeebene erreichen? Der Keks mit dem „Miniatur-Effekt“ sorgt heute doch nur noch für ein müdes Lächeln. Und so etwas lässt sich auch recht einfach später mittels digitaler Bildbearbeitung simulieren. Das einzige Praktische, was mir hierzu einfällt, ist die Produktfotografie bzw. das Fotografieren mit hohen Abbildungsmaßstäben, wo ein „Dehnen“ der Schärfe mittels bloßem Abblenden nicht mehr ausreicht (Stichwort „Beugungsunschärfe“). Jedoch bin ich selbst in diesem Metier nicht zu hause und benötige eine „Tilt-Funktion“ überhaupt nicht (und möchte dementsprechend nichts dafür bezahlen).

Eine weitere Alternative zum Original-Objektiv käme von Arsat. Der ukrainische Hersteller („Arsenal“) hatte auch Shift-Objektive für Nikon (und Canon glaube ich) im Programm. Jedoch kann ich hier nichts über die Abbildungsqualität (insbesondere an Vollformat-Digitalkameras) sagen. Die Kiev-Shift-Objektive gehen bei Ebay noch etwas günstiger als jene von Nikon weg, wie ich beobachtet hatte.

Ferner gibt es Adapter für Mittelformatobjektive. Neben den simplen Adaptern (ohne Verstellung) werden auch jene mit „Shift-Funktion“ angeboten. Zwei Gründe sprachen bei mir gegen den Adapter: Zum einen sind mir die Mittelformatobjektive zu groß bzw. klobig. Zum anderen geht es um deren Brennweite: Klar, es gibt auch 35 mm Mittelformatobjektive. Jedoch sind diese verhältnismäßig teuer. Ein 50 mm Objektiv besitze ich selber: Das gute Zeiss Flektogon. Auch hierfür gibt es Adapter. Jedoch sind mir 50 mm im Vollformat und erst recht bei Crop-Sensoren zu lang. Meine persönlichen Favoriten sind leichte Weitwinkel. 35 mm sind mir im Vollformat / Kleinbild ein Ideal.

Ich habe nun zunächst nur Testtafeln mit meinem Nikkor-Objektiv abgelichtet. Das kann man machen und man kann erste Schlussfolgerungen ziehen. Der nächste Schritt wird sein, tatsächliche Bilder in der Praxis aufzunehmen. Hierzu folgt demnächst mehr.

Artikeldatum: 16.06.2015 / letzte Änderung: 30. Juni 2020

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Momentchen – Es gibt hier noch mehr interessante Artikel:

Tom | am 2. Juli 2019

Hallo Frau Müller,

ich muss sagen, dass ich das 35 mm PC Nikkor kaum mit Film genutzt habe. Mit Farbfilm noch gar nicht. Hier ist eine Bilddatei mit viel Strauchzeug an den Rändern: http://redukt.bplaced.net/download/nikkor35pc.jpg
Bei der Aufnahme hatte ich wohl min. auf 5.6 abgeblendet und etwas nach oben verstellt. Das ist der Tmax 400. Da ich damals noch kein anderes 35 mm Objektiv hatte, nahm ich einfach als einziges das PC Shift mit, obwohl man für solche Aufnahmen das Verstellen natürlich nicht benötigt. Nur bei hohen Bäumen in der „Totalen“ schätze ich es noch (die fallen dann nicht so zusammen, als wenn man die Kamera etwas nach oben schwenken muss).
Das alte Shift hatte ich mir damals hauptsächlich aus einer gewissen Angst davor gekauft, dass solche Teile immer teurer werden. Du hattest dies ja schon auf dem anderen Blog angedeutet. Kurz: Ich habe das Objektiv noch gar nicht so recht auf der analogen Nikon „eingetestet“. Das liegt auch daran, dass ich in der Vergangenheit so etwas mit meiner (verstellbaren) Laufbodenkamera auf 6×9 fotografierte. Insbesondere interessiere ich mich aber dafür, ob derlei lila Farbsäume tatsächlich auch bei Film auftauchen bzw. umso mehr / oder eben genau so bei einer digitalen Kamera. Ich dachte immer, dies läge am Sensor. Du schreibst aber, dass dies beim 28er Shift bereits auf Film passieren kann. Hier müsste ich mal ein paar Testaufnahmen mehr machen.

Frau Müller | am 30. Juni 2019

Hallo Thomas,

wie schlägt sich das alte Nikkor auf Film? Insbesondere auf Farbfilm. Irgendwie mag ich zur Zeit Film und 35 mm gefallen mir gut. Das Nikkor wäre deutlich preiswerter als das entsprechende Orginalobjektiv für meine sonst sehr preiswerte Kameraausrüstung. Ein Nikongehäuse habe ich.

Wir hatten viele Jahre ein Nikon PC 3,5/28mm. Das war die schlechteste Linse von Nikon die ich jemals benutzte. Auch diese hatte deutlich erkennbare lila/blaue Farbsäume. Mit einer starken Lupe konnte man diese auf den Dias gut erkennen. Das Objektiv blieb immer eine Notlösung wenn die verstellbare Kamera zu schwer war oder Kleinbilddias gefragt waren.

Verstellungen stärker als 5-6 mm waren ein Abenteuer. Standartblende war 11 wenn man einigermaßen scharfe Ecken haben wollte. Wer über 8 mm verstellte war ein Draufgänger mit ordentlich Mut zum Risiko!

Zu Deiner Aussage zu Entzerrungen am Computer: ja das geht, die Folge ist aber, dass Du aber immer an Höhe verlieren wirst! Mir ist bis heute kein Programm bekannt das absolut fehlerfrei die Perspektive erhält. Das Shift ist die deutlich bessere Alternative.

Muvimaker | am 15. Dezember 2018

Werter Herr Thomas Raatz!

Vorerst möchte ich mich ganz herzlich für Ihr Angebot bedanken. Ich habe zwar noch nicht alle 88 Artikel gelesen, da ich die Seite erst vor einigen Tagen entdeckte, doch das ist nur eine Frage der Zeit. Insbesondere der aktuelle Artikel hat mich neugierig gemacht und deshalb möchte ich einen Kommentar platzieren.

Verzerrungen vermeiden: Die einzige Möglichkeit dies zu vermeiden, ist eine annähernd gleiche „Höhe“ wie das zu fotografierende Objekt einzunehmen, also bei einem Gebäude evtl aus dem gegenüberliegenden Bauwerk (falls vorhanden und begehbar) aufzunehmen. Dann werden stürzende Linien weitestgehend vermieden. Oftmals löse ich diese Probleme durch Wahl eines höheren Standorts, doch bei Ihren Beispielfotos geht das sicherlich nicht so einfach, nicht jeder hat einen Kran oder ein ähnliches Hilfsmittel zur Verfügung…

Bei den Blendentests war ich angenehm überrascht wie gut derart alte Objektive immer noch sind. Dass sich „Chromatische Aberrationen offenbar recht einfach mittels Bildbearbeitung entfernen lassen“ stimmt nur zum Teil, meistens wird ein Kompromiss daraus. Oftmals ärgert man sich, dass nun endlich die Magentasäume verschwunden sind, doch dafür eine andere Farbe quasi verstärkt wurde.

Das Schwarzweißbild mit den korrekten Senkrechten ist wunderbar anzusehen, so etwas wünscht man sich auch mit normalen Mitteln zu erhalten. Zum Argument der verringerten Auflösung bei Korrektur in der Bildbearbeitung möchte ich einwenden, dass dieser Punkt bei den heutigen Auflösungen bereits nebensächlich ist. Auch die Bildfehler (aus dem veränderten Bildkreis resultierend) sind zu verschmerzen, man bedenke das Alter des Objektivs.

Der Abschnitt zum Panorama ist sehr interessant und ergibt eine völlig neue Sichtweise bei dieser Art von Bildern. Als Stitch-Software ist Photoshop (obwohl dies Funktion bei jeder Version besser wird) trotzdem nicht die erste Wahl. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit AutoPano Pro oder der Giga-Version vom selben Hersteller. Was dieses Programm so verdaut ist erstaunlich. Hier käme es vielleicht auf den Versuch an, nicht nur horizontal, sondern auch vertikal zu shiften und dann die entsprechenden Bilder zusammenzufügen.
Die Problematik der händischen Bearbeitung von Teilen eines Panoramabildes ist mir bekannt, auch bei mir war es so gut wie nie möglich diese korrekt zusammenzufügen. Wahrscheinlich liegt es an den speziellen Algorithmen der Stich-Programme, denn bei diesen klappt das so gut wie immer nahtlos. Sogar Farbabweichungen (wie beim Himmel) werden klaglos korrigiert.

Sie haben mir mit diesem Artikel „das Maul wässrig gemacht“. Nun stehe ich nur vor dem Problem, dass ich mit Canon statt Nikon arbeite und die Suche nach einem solchen Objektiv ungleich schwieriger oder vielleicht sogar erfolglos sein wird.

Beste Grüße und weiterhin viel Erfolg!

Muvimaker

Frau Merkel | am 6. September 2018

Zitat: „Ich arbeite gerne im Hochformat. Stellt man hierbei das Objektiv zunächst nach ganz links und danach nach ganz rechts, hat man zwei unterschiedliche Bilder, die man nur noch am PC zusammen setzen muss. Die Perspektive hat sich hierbei nicht geändert, wie es beim bloßen Verschwenken der Kamera der Fall wäre.“

NEIN! Das ist so falsch!

Die Perspektive ändert sich wohl. Wenn sich die Perspektive nicht ändern darf dann muß das Objektiv am Stativ befestigt und die Kamera dahinter bewegt werden. Es verhält sich genau wie bei der Großformatkamera (Stichwort: Rückstandarte)!

Wenn der Fehler in der Abbildung nicht auffällt, dann wird das daran liegen daß er zu klein ist und weil man Motive fotografiert die mehr als 5 m entfernt sind. Da fällt es bei dieser Brennweite nicht mehr aus. In Innenräumen merkt man die Prallaxe deutlich. Selbst mit der besten Software läßt sich der Fehler nicht mehr korrigieren.

Ferdi | am 9. August 2018

Hallo und vielen Dank für den Artikel. Ich werde demnächst auch ein Nikon Shift Objektiv haben und freue mich schon auf den Einsatz! Mich interessiert hier auch das verzerrungsfreie Panorama bzw. die Möglichkeit dazu.

Gasser Erich | am 7. Februar 2016

Danke,

sehr informativ. Inzwischen habe ich im Internet gelesen, dass das neuere Objektiv (mit schwarz ummantelten Rändelrad seitlich) optisch etwas besser sein soll. Mal sehen, hab mir eben das PC 35mm 2,8 gekauft.


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