Der manuelle Blitz: Ohne Automatiken korrekt blitzen
Der folgende Artikel steht sozusagen über fast allen anderen in dieser Kategorie meines Blogs: Es geht umfassend darum, Blitzgeräte völlig manuell zu benutzen bzw. zu steuern und zwar nach dem selben Prinzip wie man im Studio Studioblitze einsetzt. Häufig reichen hierfür bereits alte, gebrauchte Geräte aus.
Ich habe die ersten zehn Jahre meiner „fotografischen Laufbahn“ mit dem natürlichsten Licht fotografiert, welches es gibt: mit dem der Sonne. Zwar hatte ich da auch einen Blitz in der Fotokiste liegen. Aber irgendwie kam ich damit nicht zurecht. Der war mir irgendwie unheimlich, ich wurde nicht „warm“ damit, ich wusste ihn nicht zu beherrschen, da ich von den vielen Zahlen auf den Skalen überfordert war. Ich war mir auch gar nicht bewusst, was man alles damit anstellen kann. Ich vermute, vielen Leuten, die sich mit Fotografie beschäftigen, wird es ebenfalls so gehen. Doch man schaue sich nur mal bei meinen Blitztechniken um. Hierbei ist durchaus einiges machbar!
Erst als ich später einmal die Möglichkeit hatte, Portraits in einem Fotostudio anfertigen zu können – und die Studioblitze dort nutzte – stellte ich mir zunächst die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, sich günstige Studioblitzgeräte nebst Lichtformer selber zu kaufen. Diese Frage trieb mich eine gewisse Zeit um. Aber dann überlegte ich mir:
Denn schließlich machen diese kompakten Geräte genau das Selbe wie ihre großen Brüder: Licht – und zwar Licht der selben Farbtemperatur bzw. Qualität.
In dieser Anleitung gehe ich zunächst allgemein auf entsprechende Geräte ein und erkläre weiter unten die korrekte Bedienung.
Zunächst folgt die Überlegung, warum man überhaupt manuell blitzen sollte und danach muss geklärt werden, auf was bei der manuellen Verwendung von Aufsteckblitzgeräten gegenüber Studio-Lichtanlagen verzichtet werden muss.
Warum manuell Blitzen?
Moderne Blitzgeräte bzw. Kameras besitzen eine maßgeschneiderte Schnittstelle: Sie können mittels „TTL“ kommunizieren. Das heißt, dass ich jegliche Einstellungen an der Kamera verändern kann und dass daraufhin das Blitzgerät dennoch immer die (meist) richtige Menge an Kunstlicht abgeben wird. Hierbei wird das Blitzlicht durch das Objektiv (Through The Lense) gemessen und dieser Messwert blitzschnell über mehrere weitere Kontakte am Blitzschuh wieder an den Aufsteckblitz weiter gegeben, sodass dieser sein Licht entsprechend drosseln- bzw. rechtzeitig abschalten kann. Bevor es die Möglichkeit des TTL-Blitzens gab, bediente man sich der sogenannten Computer-Automatik.
Beide Automatiken funktionieren beim direkten Blitzen sehr gut. Das selbe gilt für das indirekte Blitzen über z. B. die Zimmerdecke. Beim seitlichen bzw. entfesselten Blitzen ist diese TTL-Intelligenz eher mit Vorsicht zu genießen. Bei einer Sache versagt die TTL-Automatik allerdings gänzlich:
Schauen wir uns nun an, inwiefern der Aufsteckblitz in diesem Zusammenhang eine Alternative zum echten Studioblitz darstellt:
Nachteile gegenüber echten Studioblitzen
Klar, gegenüber echten Studioblitzanlagen gibt es auch Nachteile, wenn man diese als Alternative mit den Kompaktblitzen ersetzt. Zunächst sind Studiolichtanlagen für einen tüchtigen Dauereinsatz gefertigt. Zu nennen wären aber primär folgende:
Kein Einstelllicht

Der (sehr starke) Regula Variant 740 MFD zählt zu den bekanntesten manuell regelbaren Blitzgeräten älterer Bauart.
Studioblitze besitzen ein sogenanntes „Einstelllicht“. Mit diesem Dauerlicht kann man sehr gut den (Schatten-) Charakter der Leuchte nebst Lichtformer beurteilen. Bedingt könnte man sich hierbei auch mit einer starken Taschenlampe mit sogenanntem „Cree-LED“ Leuchtmittel behelfen. Oder man besorgt sich so etwas: Stativhalter für Glühbirnen. Hierbei ist man natürlich auf das Stromnetz angewiesen. Ich möchte aber mobil bleiben und den Umfang der Technik möglichst kompakt halten. Ein Einstelllicht benötige ich nicht dringend, zumal ich immerhin noch gleich nach der Aufnahme das Licht am Display der Kamera beurteilen kann. Mein Yongnuo 560er Blitz besitzt eine Stroboskop-Funktion. Jene kann man so einstellen, dass sie für wenige Sekunden fast ein Dauerlicht abgibt (was natürlich Strom frisst). Hiermit lässt sich aber ein kurzes Einstelllicht simulieren, allerdings wird man den original Yongnuo Funkauslöser benötigen, um dieses „Pseudoeinstelllicht“ auch aus Kameraperspektive auslösen bzw. vielmehr beurteilen zu können. Denn man muss ja hierbei genau die selbe Perspektive zur Beurteilung nutzen wie sie das Objektiv einnimmt.
In Zeiten von Kameradisplays, bei denen man schnell Testaufnahmen zu fixen Beurteilung der Lichtsituation vornehmen kann, kann man auf ein Einstellicht verzichten (ich zumindest).
Weniger Leistung
Ferner ist ein batteriebetriebener Aufsteckblitz natürlich nicht so leistungsstark wie ein Studioblitz. Aber benutzt man beispielsweise einen 45er Metz Stabblitz hinter einem Diffusor-Schirm, so ist die Leistung des Metz bei 200 ISO noch ausreichend, um auf Blende 11 abblenden zu können, wenn das Motiv zwei Meter vom Blitzgerät entfernt sitzt. Diese Leistung ist für den Hausgebrauch also völlig akzeptabel! Denn moderne Digitalkameras kann man durchaus auch mit noch höheren ISO-Werten nutzen, ohne dass es zu Rauschen kommt. Und gerade bei der Portraitfotografie wird man selten auf f/11 abblenden, sondern das Objektiv viel weiter öffnen.
Längere Nachladezeit

Gute Akkus beschleunigen das Nachladen. Hier: meine Eneloop-Akkus
Der dritte Einwand, der evtl. gegen den Kompaktblitz als Studioleuchte eingebracht werden könnte, wäre dessen relativ lange Nachladezeit. Dies ist die Zeit, welche der Blitz benötigt, bis der eingebaute Kondensator (ein Energiespeicher) wieder aufgeladen ist, um erneut bei voller Leistung blitzen zu können. Manch alte Blitzgeräte brauchen hierfür ewig (Ich denke da an meinen sonst recht guten Soligor 42 DA). Mein moderner Yongnuo 560-Blitz allerdings ist bei frischen Akkus innerhalb von ein bis zwei Sekunden wieder „oben“ und zeigt dies mit einem Piepen an.
Längere Abbrennzeit

Nacht Simulieren am hellichten Tag mit: Kurzer Synchronzeit an der Kamera sowie kurzer Abbrennzeit am Blitz.
Dieser Punkt wird nicht für alle relevant sein. Mit „Abbrennzeit“ ist die Leuchtddauer (bei voller Leistung) gemeint – also ob der Blitz seine Leistung innerhalb von 1/600 Sekunde abgibt oder bereits 1/200 Sekunde hierfür braucht. Dies spielt beispielsweise eine Rolle, wenn man Dämmerung simulieren möchte oder wenn man (bei hoher leistung) schnelle Bewegungsabläufe einfrieren möchte (z. B. Wasserspritzer). Bei bereits einer Halbierung der Leistung erhöht sich allerdings auch die Abbrennzeit der meisten Aufsteckblitzen in einem Maße, wie es für entsprechende Anwendungen nützlich ist.
Kann man mit diesen vier Einschränkungen leben bzw. benötigt man entsprechende Merkmale gar nicht, so eignen sich auch Aufsteckblitzgeräte hervorragend für künstlich gesetztes, gutes Licht zum Fotografieren, sofern sie eine einzige Bedingung erfüllen:
Der Blitz sollte manuell regelbar sein
Man sollte das Blitzgerät in möglichst vielen Leistungsstufen regeln können! Erst durch das entfesseln und das manuelle Regeln der Lichtintensität wird der Aufsteckblitz für uns interessant!
Das Problem: Der Großteil der alten (aber sonst guten) Blitzgeräte, welche es für wenige Euro bei Ebay gibt, sind nicht manuell regelbar! Sie steuern ihre Leistung meist eigenmächtig über einen „Computerblitz-Sensor“, was für den manuellen Betrieb überhaupt nicht geeignet ist.
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PHOTOOLEX Blitz Flash Speedlite für Canon Nikon Sony Panasonic Olympus Pentax Fujifilm Sigma Minolta und Andere SLR Digital SLR Film SLR Kameras und Digital Kameras mit Single-Kontakt Hot-Schuh | GODOX TT600 Kamera Blitz Speedlite GN60 Flash Speedlite Kompatibel mit Canon Nikon Fujifilm Pentax Olympus Panasonic Kameras (TT600) | Yongnuo YN560 IV Universal 2.4G Wireless Speedlite On-Kamera Master Slave Speedlight GN58 High Speed Recycling Ersatz für Canon Nikon Sony DSLR Kamera |
Manueller Universalblitz mit simpler Tipptasten-Steuerung der Intensität, dreh- bzw. schwenkbarem Kopf und integrierter Slave-Zelle zum besonders günstigen Preis für Einsteiger oder als Ergänzung. | Manueller Universalblitz mit hoher Leitzahl, integriertem Funkempfänger, Zoomkopf, Display; kompatibel mit allen Kameras mit Standard-Hotshoe (Pin in der Mitte). | Starker, manueller Blitz: Der Yongnuo YN-560 Mark IV ist ein moderner Blitz höherer Leistung (Leitzahl 56 bei ISO 100 / Zoom 105 mm), frei (und sehr fein) regelbarem manuellen Modus im Bereich von 8 Blendenstufen, Zoom-Kopf und bereits integriertem Funkempfänger und -Sender für weitere Blitze sowie Slave-Zelle zum gewohnt günstigen Preis auf Amazon. |
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Die alten, gebrauchten Geräte, die für das manuelle Blitzen geeignet- und heute noch gut bei Ebay auffindbar sind, lassen sich an einer Hand abzählen. Hier eine kurze Liste von manuell steuerbaren Blitzgeräten, die noch häufig auf dem Gebrauchtmarkt zu finden sind:
Liste manuell regelbarer Blitzgeräte
- Regula Variant 740-2 MFD / 740-1 MFD
- Soligor 42 DA / Achiver 632 LCD (sogar mit Zoom)
- Braun 410 VC
- Metz 45 ct (oder cl) 3 oder 4
- Metz 40 MZ 1 (oder 2 oder 3)
- Revue Tron C-35S
- Agfa Agfatronic 643 CS
- Minolta Auto Electroflash 320X
- Minolta 4000 AF (+ mit Zoom)
Sie kennen weitere hierfür brauchbare alte Geräte? Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion am Ende dieses Artikels. Es gab früher leider nur wenige (heute günstige) Blitzgeräte, die auch manuell in der Leistung steuerbar waren oder gar einen Zoomkopf hatten, um den Lichtkegel variieren zu können. Ich empfehle heute auch immer die manuellen Geräte der Firma „Yongnuo“. Diese sind fein regelbar, leistungsstark und sehr günstig.
Die beiden 45er Metz Stabblitze lassen sich immerhin in 3 Blendenstufen regeln (+ eine vierte ganz schwache „W-Stellung“). Nur durch einen Umbau der Metz-Stabblitze lassen sich jene besser manuell bedienen. Die anderen Geräte lassen sich noch weiter dimmen. Nachdem nunmehr mein dritter Regula Variant abgeraucht ist (dies war eigentlich immer mein Lieblingsblitz), habe ich den Versuch gewagt, und mir den viel gepriesenen modernen Yongnuo YN 560 III für gerade mal 65 Euro bei Amazon gekauft (lesen Sie hierzu meinen Yongnuo Testbericht).
Mittlerweile ist der Yongnuo YN560 noch weiter im Preis gepurzelt, sodass sich die Frage stellt, ob man sich zum manuellen Blitzen überhaupt noch alte Geräte auf dem Gebrauchtmarkt kaufen sollte. Dieser Blitz ist praktisch genau das, was wir suchen: Keinerlei Automatiken, dafür aber komplett manuell regelbar und bei höchster Stufe ausreichend stark: lediglich eine 3/4 Blende schwächer (bei 35 mm Zoom) als der 45er Metz, welcher der stärkste Blitz in dieser Liste ist. Ebenfalls schätze ich den eingebauten Funkauslöser, so dass ich nicht extra noch einen Empfänger an den Blitz hängen muss. Mit dem optionalen Funkauslöser YN560-TX kann man sogar die Leistung des Yongnuos per Funk regeln. Der Regula hingegen ist nur eine drittel Blende schwächer als der Metz Blitz. Ich vermute, alle modernen Blitzgeräte wie Speedlight und Speedlite lassen sich ebenfalls manuell steuern. Mit solchen Geräten habe ich bisher allerdings keine Erfahrung machen können. Sie sind ja auch wesentlich teurer in der Anschaffung. Edit: Mittlerweile bin ich auch im Besitz eines Nikon Speedlights SB600. Dieser lässt sich (zusätzlich zur TTL-Funktionalität) auch sehr gut manuell steuern.
Bei der manuellen Lichtregelung beurteile ich die richtige Lichtmenge immer mittels dem Histogramm meiner Digitalkamera.
Schauen wir uns einmal die Rückseite des Regula Variant 740-2 MFD an:
Bedienung eines alten manuellen Blitzes
Zunächst ist man etwas überfordert, was die ganzen Zahlen und Skalen anbelangt. Aber ruhig Blut: Dies lässt sich alles leicht entschlüsseln. Dieses Foto lässt sich per Klick darauf auch noch etwas vergrößern. Als erstes stellen wir das Blitzgerät auf Manuell.
Dies ist beim Regula der Schalter unten rechts (M / C):
Der Schalter ganz unten mit den roten Zahlen (über den römischen) steht auf „0“, was bedeutet, dass zunächst nichts herunter geregelt- sondern die maximale Leistung abgegeben wird. Beim Blitzen mit dem Computer-Sensor war es ja wichtig, dem Blitz mitzuteilen, bei welchem ISO-Wert (hier. ASA) man arbeitet und dies passiert bei diesem Gerät mit dem Schiebeschalter ganz oben (DIN / ASA). Beim manuellen Blitzen aber wirkt sich dieser Schalter (im Gegensatz zum Auto-Betrieb) nicht auf die abgegebene Lichtleistung aus. Dieser ASA-Schiebeschalter und die damit verbundenen Zahlen dient lediglich als Ablese-Hilfe und hat im manuellen Modus keinerlei technische Funktion mehr.
Was wird hier nun angezeigt? Die Skala gibt jetzt Auskunft darüber, welche Blende man bei welcher Motiventfernung am Objektiv einstellen muss. Beachten Sie hierzu nur die gelben Blendenangaben und die jeweils zugeordneten Meterangaben darunter. Prinzipiell war es dies bereits: Wir haben Blitzgerät und Kamera aufeinander abgestimmt und zwar nach den drei Kriterien ISO, Entfernung, Blende. Mit der Entfernung ist jene zwischen Blitz und Motiv gemeint – nicht jene zwischen Motiv und Kamera, was beim entfesselten Blitzen zu beachten ist!
Beispiel Nr. 1
Hierzu ein Beispiel: Wir haben unseren Blitz entfesselt und dieser steht 3,5 Meter schräg links vom Motiv. Wo sich die Kamera befindet – ob ich damit auf einem Baum sitze oder nur einen Meter vom Motiv entfernt – ist gleichgültig. Es geht immer nur im die Entfernung Blitz – Motiv. Wir belichten mit 100 ISO, was ja oben am Schiebeschalter des Blitzgerätes bereits eingestellt ist. Nun lesen wir einfach ab: Bei 3,5 Meter müsste ich bei diesem Blitzgerät bei voller Leistung mit Blende 11 arbeiten, damit das Motiv korrekt belichtet wird.
Befindet sich das Motiv aber ganze 20 Meter vom Motiv entfernt müsste ich laut Skala mit Blende 2 arbeiten, damit das Motiv über eine solch großen Entfernung korrekt belichtet wird.
Die Belichtungszeit beim manuellen Blitzen
Die Belichtungszeit ist in dieser Rechnung nicht enthalten. Warum? Für das angeblitzte Motiv ist die Belichtungszeit nahezu egal. Wir brauchen sie hier zunächst tatsächlich nicht beachten. Stellen Sie an Ihrer Kamera die „Standard Synchronzeit“ ein. Normalerweise ist dies die 1/60 Sekunde. Über die Rolle der Belichtungszeit habe ich eine separate Anleitung geschrieben.
Ändern der Lichtleistung
Und nun wird es erst richtig interessant! Was aber, wenn wir bei gleichem Lichtaufbau nicht mit Blende 11 sondern mit Blende 4 arbeiten möchten, weil wir eine geringere Schärfentiefe wünschen? Wir könnten das Blitzgerät weiter weg stellen aber damit würden wir den kompletten Lichtcharakter ändern. Stattdessen regeln wir den Blitz einfach manuell herunter!
Nur ein einziger Blitz - dies ist die Prämisse bei diesem Buch. Der Autor vermittelt Techniken, mittels derer man mit möglichst minimalistischem Setting dennoch zu aussagekräftigen Fotografien gelangt, eben nur mit einem einzigen Blitzgerät.
Hierzu dient beim Regula der unterste Schiebeschalter mit der roten Skala: F 0 -1 -2 -3 -4. Dies bedeutet, dass ich dieses Blitzgerät um vier Blenden herunter schalten kann bzw. dass ich dessen Lichtleistung so weit herabsetzen kann, als würde man das Objektiv der Kamera um vier Stufen / Blenden schließen. Wer hier zunächst nur Bahnhof versteht, dem empfehle ich meinen Artikel »Denken in Blendenstufen«.
Dem Beispiel gemäß müsste ich den Schalter auf -3 stellen, denn ich möchte ja nicht bei Blende 11 arbeiten sondern bei Blende 4 (um z. B. eine geringe Schärfentiefe zu erhalten) und die Differenz zwischen Blende 11 und Blende 4 beträgt genau 3 Blendenstufen.
Lassen Sie sich nicht durch die anderen Bedienelemente auf der Rückseite dieses Blitzes durcheinander bringen. Die haben mit dem Thema nichts zu tun.
Bei vielen anderen älteren Blitzgeräten lässt sich im manuellen Modus die richtige Arbeitsblende bei vorgegebener ISO in Abhängigkeit von der Motiventfernung ganz ähnlich mittels einer Skala oder einer aufgedruckten Tabelle ablesen. Bei vielen Blitzgeräten, welche man manuell herunter regeln kann, werden die einzelnen Stufen oftmals nicht in Blenden angegeben sondern in Brüchen: So bedeutet 1/2 Leistung eine Blende weniger Licht und 1/4 gleich zwei Blenden, 1/8 drei, 1/16 vier und 1/32 gleich fünf Blenden schwächeres Licht. Mir gefällt die Bezeichnung in Blenden aber besser und sie ist im „Profi-Bereich“ auch die geläufigere.
Beispiel Nr. 2
Hier haben wir nun einen Blitz mit LC-Display (meinen Soligor 42 DA):
Ich finde die Bedienung mittels dem LCD-Display viel einfacher und übersichtlicher als mit den Schiebeschaltern und Skalen. Gehen wir hier mal nacheinander vor:
Als erstes hatte ich den Modus-Schalter auf „TTL-Full-M“ gestellt. In diesem Modus gibt dieser Blitz immer die volle Leistung ab, es sei denn man hat eine passende Kamera mit TTL-Funktion darunter und jene aktiviert. Habe ich aber nicht. Ich habe wieder einen ISO-Wert von 100 (ASA) am Blitz angegeben (denn darauf ist auch die Kamera eingestellt). Der variable „Zoom-Reflektor-Kopf“ steht auf 85 mm. Mit der Taste „F“ kann ich die von mir gewünschte Blende eingeben und im Display wird mir nun angezeigt, wie weit dann das Motiv entfernt stehen müsste. Hier sind es 8 Meter.
Ganz wie beim ersten Beispiel: Im manuellen Modus bewirkt das Ändern von ISO und Blende nichts an der Leistung! Dies ist nur für’s Rechnen relevant. Dieses Rechnen nimmt uns das Display ab. Dem Beispiel gemäß wäre alles vor 8 Meter über- und alles nach 8 Meter unterbelichtet (natürlich innerhalb eines gewissen Toleranzspielraumes).
Angenommen unser Motiv befindet sich nun tatsächlich 8 Meter vom Blitz entfernt. Aber wir wollen wieder mit Blende 4 arbeiten. Ich müsste nun einfach den Schalter von „Full“ auf 1/2 stellen. Dies würde die Reduzierung der Lichtintensität um genau eine Blende bedeuten. Im LCD-Display würde nun eine andere Reichweite angezeigt werden. Schalten wir mit dem F-Schalter aber auf Blende 4 durch (gleichen wir die Parameter an), so wird wieder 8 Meter angezeigt!
Die Leitzahl
Die Leitzahl ist die PS-Angabe von Blitzgeräten. Einheitlich kann man sagen, dass ein Blitzgerät stärker ist, wenn dessen Leitzahl höher ist als jene eines anderen Blitzgerätes bei ansonsten gleichen Parametern. Zum Thema Leitzahl habe ich aber einen separaten Artikel verfasst.
Rechnen mit der Leitzahl und dem manuellen Blitz
Wenn man die (jeweilige) Leitzahl seines Blitzgerätes weiß, dann lässt sich mit einer Vielzahl von Formeln so allerhand ausrechnen um die Blitzlichter konsequent und ohne Messungen einsetzen zu können. Auch hierzu habe ich einen eigenen Artikel verfasst: nützliche Blitzformeln.
Die wichtigste Formel kann ich aber in diesem Beitrag nicht verschwiegen. Es handelt sich um die einfache Formel mittels welcher sich die einzustellende Blende X bei einem Motivabstand Y bei der Leitzahl Z errechnen lässt.
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VBESTLIFE433MHZ 16-Kanal Funk Blitzauslöser Set mit Universal Blitzschuh,1 Sender und 2 Empfängern für, Nikon, Pentax | Neewer FC-16 Mehrkanal 2,4GHz 3-IN-1 drahtlos Blitz / Studio Blitzauslöser mit Fernauslöser | Yongnuo YN622C II Transceiver für Canon (TTL, HSS, 7 Kanäle) Schwarz |
Die günstigsten Funkauslöser sind bereits ausreichend, den Blitz zu entfesseln, sofern man nicht gerade durch dicke Wände oder über weitere Entfernungen auslösen muss. Auf eine TTL-Funktion muss man verzichten - aber diese wird beim manuellen Blitzen ja ohnehin deaktiviert. | Preiswerter aber zuverlässiger Funkauslöser für manuelles Blitzen. Das Set beinhaltet einen Sender und einen Empfänger. Der Sender wird auf die Kamera gesteckt (Blitzschuh mit Mittenpin) und der Empfänger je unter das Blitzgerät. Dies ist eine günstige Partie, an ein qualitativ gutes Auslöseset zu kommen. | TTL-Funkauslöser (für Canon oder Nikon).: Diese Geräte sind teurer als manuelle Auslöser, da sie auch die Messdaten der Kamera an den Blitz übertragen und dieser die Lichtleistung daraufhin automatisch regelt. Außerdem kann bei schnellen Zeiten (HSS) geblitzt werden. |
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Genau diese Formel ist praktisch in den Rechenschiebern und -Skalen auf der Rückseite der Blitzgeräte und in den LCD-Displays eingebaut! Ich habe mir für meine Blitzgeräte auf Basis dieser Formel jeweils Tabellen ausgedruckt um schnell die nötige Blende bei einem bestimmten Motivabstand ablesen zu können. Dies geht viel einfacher als an irgendwelchen Skalen-Rädchen zu drehen!
Ermitteln der Leitzahl

Welche Leitzahl hat mein Blitzgerät nur? Es lässt sich recht einfach selber heraus finden.
Wenn Sie nicht wissen, welche Leitzahl Ihr Blitzgerät hat, so lässt sich diese Anhand der Skala auf der Rückseite leicht ermitteln. Die Leitzahl ist das Produkt aus Entfernung und Blende. Bleiben wir beim ersten Beispielbild der Rückseite meines Regula-Blitzes: Man multipliziert nun einfach die 3,5 Meter mit der Blende 11 und kommt bei 100 ASA auf eine Leitzahl von 38,5. Man kann genau so gut die 7 Meter mit der 5.6 multiplizieren (stehen sich ja gegenüber) und kommt natürlich auf (nahezu) das gleiche Ergebnis. Kurz: Dieser Blitz hat bei 100 ASA eine Leitzahl von knapp 40. Dies ist bei 100 ISO und einer leicht weitwinkligen Zoomstellung (bzw. gar keiner) übrigens eine überdurchschnittlich hohe Leitzahl.
Durch Verändern des ISO-Wertes bzw. durch verändern der Skala ergeben sich natürlich andere Faktoren bzw. andere Leitzahlen.
Veränderte Leitzahl bei Ändern der „Zoom-Brennweite“
Moderne Aufsteckblitze besitzen zumeist einen variablen Zoomkopf: Hiermit kann der Ausleuchtwinkel des Blitzgerätes variiert bzw. an die Brennweite (eher Sichtwinkel) des Objektives angepasst werden. Schauen Sie sich diese Grafik an:

Ich habe mir auf den Zoomkopf meines Blitzgerätes eine kleine Tabelle geklebt, die angibt, bei welchen Brennweiten-Stellungen welcher Lichtgewinn bzw. -Verlust zu erwarten ist.
Je enger der Zoom eingestellt wird (Abbildung b) bzw. je höher die „Brennweite“ am Zoomkopf eingestellt ist, desto heller wird das Licht: Die Leitzahl erhöht sich! Bei meinem Yongnuo YN560 erhalte ich bei maximaler Zoomstellung (Brennweite: 105 mm) einen Leistungsgewinn um eine ganze Blende gegenüber der „Normalstellung“ (50 mm)! Das ist schon einiges. Demzufolge erhöht sich in dieser Position die Leitzahl meines Blitzgerätes um den Faktor 1,4.
Lesen Sie bei Interesse auch meinen Artikel: Genial – den Blitzzoom richtig einsetzen.
Korrektur der regulären Leitzahl
Die vom Hersteller angegebene Leitzahl ist aber immer mit Vorsicht zu genießen! Sie funktioniert nur mit direktem, harten Blitzlicht aus Kameraposition und in einem kleinen, weiß gestrichenen Raum. Möchte man beispielsweise draußen eine korrekte Belichtung erhalten und möchte man sich hierfür eine Tabelle anfertigen, aus welcher hervor geht, welche Blende man bei welchem Motivabstand einstellen muss, dann muss man mit einer korrigierten Leitzahl rechnen bzw. sich auf Basis einer solchen die Tabelle anfertigen. Lesen Sie hierzu unbedingt meinen Artikel „Die konservative Leitzahl„!
Einen Leitzahl-Rechner auf dem Smartphone nutzen
Ein mir mittlerweile sehr angenehmes Hilfsmittel ist mein Smartphone. Zumindest für Android-Geräte gibt es da eine wirklich hervorragende App: Manual Flash Controll.
In den Einstellungen hinterlege ich einmalig die jeweiligen Leitzahlen und dann stelle ich z. B. einfach den Abstand zum Motiv ein und die App sagt mir nun, um welche Leistung ich das Blitzgerät herunter regeln muss. Dies ist ungeheuer praktisch und auch andere Parameter kann man sich anzeigen lassen. Lesen Sie gerne etwas mehr über dieses (kostenlose) Programm!
Gefährliche Trigger-Spannung bei alten Blitzgeräten

Der Yongnuo RF 603 ist zunächst ein Funkempfänger / Sender. Kann aber auch als Zwischenstück zwischen Kamera und Blitz gesetzt werden und somit ließen sich theoretisch auch Blitzgeräte mit eigentlich zu hoher Zündspannung direkt auf der Kamera auslösen, was ich selbst aber nicht überprüft hatte.
Zu guter Letzt noch ein Hinweis: Viele alte Blitzgeräte haben eine relativ hohe Spannung am Blitzschuh angelegt (allerdings mit sehr geringer Stromstärke – ähnlich wie bei einem elektrischen Weidezaun). Für die damaligen mechanischen Fotoapparate war dies unerheblich. Bei modernen elektronischen Kameras kann dies allerdings zum Problem werden. Mein Regula und der Metz Stabblitz (CT 3) haben z. B. lediglich eine Spannung von ca. 7-12 Volt. Hier wird sicherlich nichts passieren. Dennoch sei an dieser Stelle gewarnt. Hier gibt es eine Übersicht mit Spannungsmessungen an vielen Blitzgeräten nebst Einschätzung der Gefährlichkeit. Bei modernen Blitzgeräten wie der Yongnuo besteht natürlich keine Gefahr. Ich hatte auch schon Blitzgeräte mit sehr hohen Spannungen. Da denke ich an den Metz 45 CT 1 und an einige Agfa- und Osram-Blitze. Meine Kamera hatte dann gar nicht erst ausgelöst. Glücklicherweise ist nichts kaputt gegangen. Es gibt extra Adapter – Stichwort: „Wein Safe Sync“.
Einen alten Blitz mit hoher Zündspannung (eigentlich ist hier „Trigger- bzw. Auslösespannung“ die korrekte Bezeichnung) kann man aber auch entweder entfesselt mit einem Funkauslöser auslösen. Oder man nutzt den Fernauslöser „Yongnuo RF-603„: Der RF-603 dient als Zwischenstück, als Puffer sozusagen, wird auf die Kamera gesteckt und dient nun zunächst als Funksender. Doch lässt sich hier noch ein Blitz huckepack nehmen und eben jener kann durchaus eine hohe Spannung haben: Der Kamera macht dies offenbar* nichts und der Funkauslöser scheint dies auch zu vertragen. Doch hier möchte ich keine Gewähr übernehmen! Schlimmstenfalls geht der 30€ billige Funksender kaputt, nicht aber die teure Kamera.
Einstieg in die Blitzfotografie: Dieses Buch ist genau richtig für Anfänger, die spielerisch die Taschensonne (das Blitzgerät) kennen lernen möchten und hierzu keine trockenen Schulbücher lesen wollen: Der bekannte Youtuber Benjamin Jaworskyj gibt hier seine Rezepte preis.
* Da ich den 603er Funkauslöser nicht mehr besitze sowie Blitzgeräte mit hohen Triggerspannungen, kann ich dies nicht mehr nachprüfen. Es könnte sein, dass hierbei das Signal bzw. die Spannung auch nur durchgeschleift wird.
Vertiefen Sie Ihr Wissen vom manuellen Blitz
Zuletzt möchte ich an dieser Stelle noch auf weitere, vertiefende Anleitungen – teilweise auch mit Bildbeispielen – von mir hinweisen, die ich in den letzten Monaten auf dem Blitzblog geschrieben habe. Jegliche Techniken praktiziere ich mit dem manuellen Blitz.
![]() Weich ausgeleuchtete Bilder mit einem Blitzschirm | ![]() Mehr Leistung: den Blitz einfach mehrmals auslösen | ![]() Mehrere Blitzgeräte mit Fotozellen / „Slavezellen“ auslösen | ![]() Den Zoom von Blitzgeräten richtig verwenden |
![]() Die Leitzahl des Blitzes selbst heraus finden. | ![]() Farbfilter für die Beleuchtung | ![]() Blitzgeräte mit Funk auslösen | |
![]() Den Blitz in der Naturfotografie verwenden | ![]() Gegenlicht: Schatten aufhellen | ||
![]() Ein Portrait im diffusen Licht mit etwas Pfiff von Vorne. | ![]() Markante Schatten: Der entfesselte Blitz | ![]() High Key Produktfotos ohne Lichtzelt. |
Hallo Thomas,
zunächst vielen Dank für diesen Blog, als Blitzmuffel kann ich hier bestimmt einiges lernen.
Vielleicht kannst Du mir mit einer absoluten Newbie-Frage weiterhelfen:
Ich möchte einen ‚Minolta Auto Electroflash 320X‘ im manuellen Modus zum Aufhellen verwenden, wenn ich jemanden im Freien fotografiere. Die Newbie-Frage nun: Wie weit darf ich eigentlich mit dem Blitz an die Person herangehen, bevor sie zu stark vom Blitz geblendet wird? Gibt es einen „Sicherheitsabstand“ zu den Augen der oder des fotografierten?
Gruß, Daniel
Hallo Daniel, du meinst wegen der Gesundheit? Darüber habe ich mir bisher noch keine Gedanken gemacht. Bisher ist es mir nur ein einziges Mal passiert, dass eine Person direkt in den Blitz schaute, als er auslöste. Das gab ein paar Sternchen aber mehr auch nicht. Grundsätzlich sollte man nie in den „nackten“ Blitz direkt schauen. Bei Verwendung einer Softbox wäre es sicherlich nicht so schlimm. Aber hier kann ich keine Anhaltspunkte geben. Normalerweise schaut man ja in das Objektiv.
Zu bedenken ist bei deinem Fall auch: Im Hellen hat sich die Iris des Menschen bereits geschlossen. Hier ist ein Blitz viel weniger agressiv als wenn man im Dunkeln (Iris weit geöffnet) in diesen schauen würde. Ich würde mir da bei „normalen“ Bildern keine Gedanken machen.
Viele Grüße zurück!